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Die optimale Interviewvorbereitung – ein Workshop mit Prof. Dr. Peter Riegler

Im Rahmen der selbständigen Entwicklung eines Moodle‐Kurses führen die Bachelorstudierenden aus dem vierten Semester Medienkommunikation interdisziplinäre Interviews mit Forschenden unserer Hochschule.  Zur Interviewvorbereitung haben sie den 90-minütigen Online-Workshop von Herrn Prof. Dr. Peter Riegler (Fakultät Informatik) besucht. Der Fokus lag dabei auf Techniken zur besseren Erkennung von Kommunikationsengpässen und wie diese umgangen werden können. 

Bei der Erarbeitung eines Themas unterscheiden sich die Denkweisen von Expert:innen und Laien ganz grundlegend. Das lässt sich auch auf das Studium übertragen: Studieninhalte sind für Studierende zunächst komplex und schwierig, wohingegen die Lehrenden diese Inhalte bereits durchdrungen haben. Hierbei entsteht der „Fluch der Expertise“. 

Ein genanntes Beispiel von Prof. Dr. Riegler war das Erklären einer analogen Uhr. Voraussetzung des Gegenübers ist das Verständnis der Zeit. Jedoch empfanden die Studierenden das Erklären in nur zwei Minuten komplizierter als zuvor angenommen. Der Grund: sie sind Expert:innen im Lesen einer analogen Uhr und für sie ist dies selbstverständliches Wissen.

Innerhalb des Workshops wurde den Studierenden der Begriff der „Bottlenecks“, der Engstellen, vorgestellt und Vorgehensweisen näher gebracht, die ihnen dabei helfen sollen, diese „Bottlenecks“ innerhalb der Wissenschaftskommunikation zu identifizieren. Einen hilfreichen Prozess entwickelte David Pace. Er nannte dies “Decoding the Disciplines”.

Decoding the Disciplines Wheel, in Anlehnung an David Pace

Gemäß dem ersten Schritt dieses Schemas identifizierten die Studierenden in Partnerarbeit typische „Bottlenecks“ bei Forschenden in der Wissenschaftskommunikation, wodurch wertvolle Lernziele benannt werden konnten, die dabei helfen, jene Engpässe aus dem Weg zu räumen. Dabei entstanden die folgenden zwei Beispiele mit ihren Lernzielen:

  1. Forschende unterhalten sich nur in ihrem Fachjargon mit anderen Wissenschaftler:innen und erkennen deshalb nicht die Perspektive der normalen Rezipient:innen. 

Lernziel I: Verständnis für Unwissenheit.

Lernziel II: Forschende vereinfachen schwierige Fachbegriffe, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.    

Lernziel III: Forschende erkennen, für welche Zielgruppe sie kommunizieren und passen ihr Jargon dementsprechend an.  

  1. Im Forschungsprozess sprechen Forschende nur mit Leuten aus ihrem Fachgebiet, dabei wäre eine außenstehende Meinung zum Verständnis des Themas hilfreich. 

Lernziel I: Forschende wissen, dass Forschungsergebnisse dazu dienen, etwas in der Gesellschaft zu erklären bzw. zu verbessern, weshalb sie eine breitere Masse ansprechen sollten.

Lernziel II: Forschende suchen den Dialog mit Außenstehenden, um ihre Forschung der Umwelt anzupassen.

Die gelehrte Praktik wurde im letzten Schritt von den Studierenden auf ihre individuelle Interviewvorbereitung übertragen. Die Identifizierung potenzieller „Bottlenecks“ soll auch bei der Weiterverarbeitung der Interviews helfen.

Das Decoding ist bei jeder Art von menschlicher Kommunikation und Interaktion bedeutsam. Die eigene Reflexion spielt dabei eine große Rolle und auch die Kommunikation des Gegenübers muss genau hinterfragt werden. Der Workshop bei Herrn Prof. Dr. Peter Riegler sorgte für einen aktiven Austausch zwischen den Studierenden und für einen neuen Blick auf die Gestaltung der bevorstehenden Interviews.

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