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Neu­ge­stal­tung des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks – Autor: Niko Gülle

Neu­ge­stal­tung des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks – Autor: Niko Gülle

Der zwei­te von ins­ge­samt vier Essays, die sich damit aus­ein­an­der­set­zen, wie die Zukunft von Mas­sen­me­di­en und Sozia­len Medi­en auch poli­tisch ver­ant­wort­lich gestal­tet wer­den kön­nen. Niko Gül­le nimmt sich in die­sem Kon­text den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk vor. Sei­ne These: 

Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk benö­tigt kei­ne Neu­ge­stal­tung, son­dern Updates!

Dass der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk (ÖRR) stets um sei­ne Legi­ti­ma­ti­on kämp­fen muss, wird auch in ganz greif­ba­ren All­tags­si­tua­tio­nen sicht­bar. Zuge­ge­ben, die­se All­tags­si­tua­ti­on hat tat­säch­lich direkt etwas mit dem ÖRR zu tun. Beim Umzug in eine neue Woh­nung wer­den mein Mit­be­woh­ner – ein lang­jäh­ri­ger Freund – und ich nach eini­gen Wochen stan­des­ge­mäß vom Bei­trags­ser­vice der ARD, des ZDF und des Deutsch­land­ra­di­os begrüßt. Sie for­dern den Rund­funk­bei­trag ein. Die Begrün­dung: Sie bie­ten „täg­lich ein hoch­wer­ti­ges, unab­hän­gi­ges und viel­fäl­ti­ges Pro­gramm rund um Poli­tik, Wirt­schaft, Kul­tur und Sport. Die­ses Ange­bot lässt sich heu­te auf unter­schied­lichs­ten Wegen emp­fan­gen – ob über Radio, TV, Com­pu­ter oder Smart­pho­ne“ (ARD ZDF Deutsch­land­ra­dio Bei­trags­ser­vice 2020). Dies scheint mei­nen Mit­be­woh­ner nicht aus­rei­chend zu über­zeu­gen: Die Reak­ti­on auf den Bei­trags­ser­vice beinhal­tet Ver­är­ge­rung und Unver­ständ­nis über die Höhe des Bei­trags von 17,50 Euro. Und ich als Kom­mu­ni­ka­tions­man­age­ment-Stu­dent ertap­pe mich zumin­dest kurz dabei, wie ich in Tei­len Ver­ständ­nis für die­se Hal­tung auf­brin­ge und sie sogar tei­le. Jetzt – nach aus­führ­lichs­ter Lite­ra­tur­re­cher­che zum The­ma Neu­ge­stal­tung des ÖRR – zeigt mein Kom­pass in eine kla­re­re Rich­tung. Es braucht auch in Zukunft unab­ding­bar einen star­ken, sei­nen Funk­ti­ons­auf­trag erfül­len­den ÖRR. Um die maß­geb­li­che Rol­le für eine „gelin­gen­de gesell­schaft­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on“ (Hal­ler 2003, S. 181; aus Arnold 2016, S. 553)  in Zei­ten frag­men­tier­ter Publi­ka, der Ten­denz zu gefil­ter­ter Medi­en­nut­zung und der Mei­nungs­macht von Inter­me­diä­ren wie Goog­le und Face­book kon­se­quent aus­üben zu kön­nen, bedarf es jedoch einer digi­tal- und publi­kums­zen­trier­te­ren Aus­rich­tung. Eine zeit­ge­mä­ße, dyna­mi­sche Medi­en­po­li­tik und ein sta­bi­ler Rund­funk­bei­trag bil­den dafür die Grundvoraussetzungen.

Die Rol­le jour­na­lis­ti­scher Medi­en für das gesell­schaft­li­che Gespräch

Falls Sie sich als Leser*in nun fra­gen, wie genau ich zu die­ser Über­zeu­gung und den noch all­ge­mein for­mu­lier­ten Schluss­fol­ge­run­gen kom­me, neh­me ich sie in die­sem Essay mit in die Welt mei­ner Recher­che – und damit in die Welt des ÖRR. Zu Beginn lohnt zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der Gesamt­the­ma­tik zunächst ein Blick auf die grund­le­gen­den Funk­tio­nen jour­na­lis­ti­scher Mas­sen­me­di­en. Hal­lers Idee von Jour­na­lis­mus als „gelin­gen­der gesell­schaft­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on“ impli­ziert, dass die­ser eine gemein­sa­me Medi­en­rea­li­tät als Ori­en­tie­rungs­rah­men für aktu­el­le Ereig­nis­se und Zusam­men­hän­ge schaf­fe (vgl. Arnold 2016, S. 553). Otfried Jar­ren (2020, S. 244) kon­kre­ti­siert die­sen Zusam­men­hang zwi­schen Medi­en­in­hal­ten und dem gesell­schaft­li­chen Gespräch: „Durch ihren vor­ran­gi­gen Bezug auf das Sys­tem Poli­tik, das all­ge­mein ver­bind­li­che Ent­schei­dun­gen gene­riert, ermög­li­chen sie einen Mehr­sys­tem­blick auf die Gesell­schaft, weil die Pro­blem­an­zei­gen aus den gesell­schaft­li­chen Teil­sys­te­men an die Poli­tik als zen­tra­le Lösungs­in­stanz adres­siert wer­den. Die Mas­sen­me­di­en grei­fen die Pro­ble­me auf (The­ma­ti­sie­rung), orga­ni­sie­ren und mode­rie­ren die Debat­te und kom­men­tie­ren die­se. Die Pro­ble­me der Gesell­schaft, die als all­ge­mein lösungs­be­dürf­tig ange­se­hen wer­den, wer­den wesent­lich durch die uni­ver­sel­len, aktu­el­len Mas­sen­me­di­en sicht­bar gemacht und kön­nen gesamt­ge­sell­schaft­lich ver­folgt wer­den“. In der Lite­ra­tur wird ana­log dazu das Bild der gesell­schaft­li­chen Sebst­be­ob­ach­tung bemüht (vgl. Sie­gert et al. 2018, S. 228). Für die­se böten jour­na­lis­ti­sche Mas­sen­me­di­en den Rezipient*innen viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, um die in einer Demo­kra­tie wesent­li­chen Pro­zes­se der Mei­nungs­bil­dung anzu­re­gen (vgl. ebd.). Alex­an­der Fili­po­vić (vgl. 2019, S. 92) betont die Dienst­funk­ti­on von Medi­en für das Gemein­wohl. Denn öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on ermög­li­che es, neben indi­vi­du­el­len auch gemein­sam geteil­te, kol­lek­ti­ve Wert- und Hand­lungs­maß­stä­be im All­tag her­an zu zie­hen (vgl. ebd.). Doch aus der inten­si­ven Lite­ra­tur­re­cher­che her­aus wird klar, dass der Bedarf nach die­sen For­men des Jour­na­lis­mus nicht aus­rei­chend vom Markt nach­ge­fragt wird. Man­fred Kops (vgl. 2016, S. 9) bei­spiels­wei­se gibt zu Beden­ken, dass tief­grün­di­ge Hin­ter­grund­be­rich­te über gesell­schaft­lich rele­van­te The­men bei den Bür­gern eher auf wenig Inter­es­se stie­ßen, obwohl ins­be­son­de­re die­se Dar­stel­lungs­form den gemein­wohl­för­der­li­chen Jour­na­lis­mus aus­ma­che. Die­se teils feh­len­de Nach­fra­ge der ein­zel­nen Rezipient*innen („Ich inter­es­se mich nicht für die Bei­trä­ge des ÖRR, war­um soll­te ich dann zah­len?“) ist ein sich stets wie­der­ho­len­des Kern­ar­gu­ment, das – wie wir im Lau­fe die­ses Essays sehen wer­den – aus mei­ner Sicht jedoch zu kurz gegrif­fen ist. Aus medi­en­öko­no­mi­scher Sicht sei hier auf den Ter­mi­nus der meri­to­ri­schen Bedürf­nis­se ver­wie­sen. Ein sol­ches Bedürf­nis liegt zum Bei­spiel in einer umfas­sen­den, viel­fäl­ti­gen Mei­nungs­bil­dung, die unter nor­ma­len markt­li­chen Umstän­den nicht zu Stan­de kom­men könn­te und durch öffent­li­che Ein­fluss­nah­me unter­stützt wer­de (vgl. Rau 2019, S. 40 f.). Dass dies einen extrem her­aus­for­dern­den Spa­gat, ins­be­son­de­re in Zei­ten der Digi­ta­li­sie­rung, dar­stellt, fasst Rau (2019, S. 41) so zusam­men: „Wobei auch in dann voll­stän­dig digi­tal durch­drun­ge­nen Medi­en­wel­ten die Fra­ge bleibt, wie Indi­vi­du­al­prä­fe­ren­zen zu kol­lek­ti­ven Prä­fe­renz­vor­stel­lun­gen aggre­giert wer­den (kön­nen)“.

Zurück zur der­zei­ti­gen Rol­le jour­na­lis­ti­scher Mas­sen­me­di­en in der Gesell­schaft: Kurt Imhof  (2010, S. 5) spricht bereits vor elf Jah­ren von einem „Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit“. Dem­nach habe sich der Groß­teil der Bericht­erstat­tung aus einer nor­ma­ti­ven, auf Sach­ver­hal­ten beru­hen­den Prä­gung ten­den­zi­ell in Rich­tung eines emo­tio­na­lis­ti­schen Wett­be­werbs um News ent­wi­ckelt (vgl. ebd.). Unter­hal­tung in der Infor­ma­ti­on scheint sich durch For­ma­te wie News­ga­mes, Aug­men­ted Rea­li­ty usw. zu einem Qua­li­ät­skri­te­ri­um im heu­ti­gen Jour­na­lis­mus auf­zu­schwin­gen  (vgl. Süs­sen­ba­cher 2018, S. 206). Bern­hard Pörk­sen schlägt in eine ähn­lich nach­denk­li­che Ker­be, dia­gnos­ti­ziert am Bei­spiel der ame­ri­ka­ni­schen CNN Tem­po­wahn und Wett­läu­fe um Infor­ma­tio­nen im digi­ta­len Zeit­al­ter (vgl. 2018, S. 42). In sozia­len Netz­wer­ken kom­me eine geziel­te Mani­pu­la­ti­on der öffent­li­chen Mei­nung durch inter­es­sen­ge­lei­te­te Akteu­re hin­zu (vgl. ebd., S. 45). Die sich abzeich­nen­de, düs­te­re Bestands­auf­nah­me scheint sich fort­zu­set­zen, wenn Mit­sch­ka & Unter­ber­ger (vgl. 2018, Vor­wort) zu Beden­ken geben, dass unse­re Gesell­schaf­ten neben öko­no­mi­schen und tech­no­lo­gi­schen extre­me poli­ti­sche Umbrü­che wie Popu­lis­mus, sozia­le Seg­men­tie­rung und einen Ver­trau­ens­ver­lust in die Demo­kra­tie durch­lie­fen. Es gibt aller­dings auch einen Sil­ber­streif am Hori­zont. Denn genau an die­ser Stel­le kom­men mei­nes Erach­tens jour­na­lis­ti­sche Mas­sen­me­di­en mit einem star­ken Stel­len­wert ins Spiel, um neu­tra­le Infor­ma­tio­nen zu ver­mit­teln und Ori­en­tie­rung zu geben. Mit Pörk­sen (2018, S. 47) lässt sich argu­men­tie­ren, „dass die seriö­se, unauf­ge­reg­te­re, bewusst ent­schleu­nig­te Ein­ord­nung, die erör­tern­de Suche nach der rich­ti­gen Ton­la­ge und der ange­mes­se­nen Reak­ti­on für die klas­si­schen Medi­en ein neu­es Gewicht bekommt – gera­de in Kri­sen­si­tua­tio­nen, gera­de bei Kata­stro­phen in Echt­zeit, gera­de im Fal­le von Atten­ta­ten und Anschlä­gen“. Zu die­ser Ein­schät­zung passt die Ana­ly­se des Prä­si­den­ten der deut­schen Pres­se­ver­le­ger, Mathi­as Döpf­ner, der den Medienrezipient*innen in der fort­wäh­ren­den Coro­na-Pan­de­mie das stär­ke­re Bedürf­nis nach dif­fe­ren­zier­ter und ver­trau­ens­wür­di­ger Bericht­erstat­tung beschei­nigt (vgl. Hanfeld 2020, S. 16).

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum öffent­lich-recht­li­chen Rundfunk

Unab­hän­gig von der Coro­na-Pan­de­mie las­sen sich die beschrie­be­nen Anfor­de­run­gen an jour­na­lis­ti­sche Mas­sen­me­di­en – ihre gewich­ti­ge Rol­le für Mei­nungs­bil­dungs­pro­zes­se in der Demo­kra­tie – in beson­de­rer Form auf den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk über­tra­gen. Im deut­schen Rund­funk­staats­ver­trag (ebd. 2019, S. 17), der zuletzt im Okto­ber 2018 durch den 22. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­trag eine Auf­fri­schung erhielt, ist der Auf­trag des ÖRR in Para­graph 11 festgelegt:

(1) „Auf­trag der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten ist, durch die Her­stel­lung und Ver­brei­tung ihrer Ange­bo­te als Medi­um und Fak­tor des Pro­zes­ses frei­er indi­vi­du­el­ler und öffent­li­cher Mei­nungs­bil­dung zu wir­ken und dadurch die demo­kra­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Bedürf­nis­se der Gesell­schaft zu erfül­len. Die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten haben in ihren Ange­bo­ten einen umfas­sen­den Über­blick über das inter­na­tio­na­le, euro­päi­sche, natio­na­le und regio­na­le Gesche­hen in allen wesent­li­chen Lebens­be­rei­chen zu geben. (…) Ihre Ange­bo­te haben der Bil­dung, Infor­ma­ti­on, Bera­tung und Unter­hal­tung zu die­nen. Sie haben Bei­trä­ge ins­be­son­de­re zur Kul­tur anzu­bie­ten. Auch Unter­hal­tung soll einem öffent­lich-recht­li­chen Ange­bots­pro­fil entsprechen.

(2) Die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten haben bei der Erfül­lung ihres Auf­trags die Grund­sät­ze der Objek­ti­vi­tät und Unpar­tei­lich­keit der Bericht­erstat­tung, die Mei­nungs­viel­falt sowie die Aus­ge­wo­gen­heit ihrer Ange­bo­te zu berück­sich­ti­gen“.

Um die­sen nicht-kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ten Auf­trag sicher­zu­stel­len, ist dem ÖRR die fes­te Finanz­aus­stat­tung in Form des Rund­funk­bei­trags gesetz­lich in Para­graph 11 und 12 des Staats­ver­tra­ges zuge­si­chert (vgl. ebd., S. 24). Anders als die kom­mer­zi­el­len Anbie­ter unter­lie­ge der ÖRR aller­dings star­ken Regu­lie­run­gen in Bezug auf das Pro­gramm und mög­li­che Wer­bung, was ten­den­zi­ell für höhe­re Kos­ten und gerin­ge­re Ein­nah­men spre­che (vgl. Beck 2018, S. 286). Trotz die­ser Limi­ta­tio­nen des ÖRR ent­bren­nen um die­sen fes­ten Finan­zie­rungs­rah­men zuneh­mend Dis­kus­sio­nen und Ver­är­ge­rungs­po­ten­zia­le. Dies zeigt sich in all­tags­ähn­li­chen Situa­tio­nen beim Umzug in eine neue Woh­nung, aber eben auch in einem euro­pa­wei­ten Dis­kurs. Die öffent­lich-recht­li­chen Anbie­ter in Ungarn und Polen ent­wi­ckel­ten sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu Staats­or­ga­nen (vgl. Grass­muck 2018, S. 313). Die däni­sche Regie­rung beschloss die Umstel­lung von der Rund­funk­ab­ga­be zu einer Finan­zie­rung über Steu­ern, was den ÖRR eben­falls unter direk­te­re poli­ti­sche Kon­trol­le stel­le (vgl. ebd.). In einer Volk­ab­stim­mung 2018 hat sich die Schweiz mit gro­ßer Mehr­heit gegen die Abschaf­fung des Bil­lag – dem Pen­dant zum deut­schen Bei­trags­ser­vice – aus­ge­spro­chen (vgl. ebd.). Dies ist ein Mut­ma­cher inmit­ten beweg­ter Zei­ten. Zumal die Aus­wer­tung laut Vol­ker Grass­muck (vgl. ebd.) demons­triert habe, dass ins­be­son­de­re die jun­ge Genera­ti­on ein­deu­tig für den Erhalt des Bil­lag votierte.

Nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen ist die Ent­schei­dung der Schwei­zer Bevöl­ke­rung eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Erfül­lung des Funk­ti­ons­auf­trags. So fan­den Eber­wein et al. (2019, S. 143) her­aus, „dass die Finan­zie­rung öffent­li­cher Medi­en einen direk­ten Ein­fluss auf den Publi­kums­er­folg hat: Rund­funk­ver­an­stal­ter mit einer höhe­ren öffent­li­chen Finan­zie­rung erzie­len höhe­re Markt­an­tei­le, eine grö­ße­re Rele­vanz als Infor­ma­ti­ons­quel­le und ein höhe­res Ver­trau­en in die Unab­hän­gig­keit von äuße­ren Ein­flüs­sen“. In der Recher­che herrsch­te lite­ra­tur­über­grei­fen­der Kon­sens, dass alter­na­ti­ve Model­le wie bei­spiels­wei­se ein Gebüh­ren-Split­ting mit pri­va­ten Anbie­tern oder Abo­mo­del­le für den ÖRR auf­grund öko­no­mi­scher und recht­li­cher Pro­blem­stel­lun­gen kei­ne frucht­ba­ren Optio­nen dar­stel­len (vgl. Dörr et al. 2016, S. 67 f.; vgl. Grass­muck 2018, S. 314 f.). Daher bewer­te ich es als umso bedenk­li­cher, wenn die kom­mer­zi­el­len, pri­va­ten Anbie­ter immer wie­der Ein­gren­zun­gen und bud­ge­tä­re Beschrän­kun­gen des ÖRR for­dern (vgl. Beck 2018, S. 246; vgl. Rau 2019, S. 39). Schließ­lich sind die­se Pri­vat­sen­der neben den klas­si­schen Ein­nah­men wie Wer­bung und Spon­so­ring ohne gro­ße Ein­schrän­kun­gen in der Lage, Sen­der­fa­mi­li­en zu grün­den (vgl. Beck 2018, S. 276). Dies unter­neh­men deut­sche Sen­der umfäng­lich und legen damit Kos­ten­stel­len zusam­men (vgl. ebd.). Außer­dem lie­gen die kumu­lier­ten Markt­an­tei­le der öffent­lich-recht­li­chen und pri­va­ten Sen­der in Deutsch­land auf einem sehr ähn­li­chen Niveau (vgl. Beck 2018, S. 287), sodass von einem sich ergän­zen­den Mit­ein­an­der aus­ge­gan­gen wer­den kann. Die wach­sen­de Kri­tik von­sei­ten der pri­va­ten Anbie­ter erhält zudem Skur­ri­li­tät, wenn Patrick Don­ges (vgl. 2016, S. 90) dar­auf hin­weist: „Die Erfül­lung des Funk­ti­ons­auf­tra­ges durch den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk ist (…) die Vor­aus­set­zung der Zulas­sung pri­vat-kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter – ein Fakt, der in medi­en­po­li­ti­schen Debat­ten mit­un­ter ver­lo­ren geht“. Ohne einen funk­tio­nie­ren­den ÖRR kann ver­fas­sungs­recht­lich dem­nach kein pri­va­ter Rund­funk exis­tie­ren. Mit die­sen Argu­men­ten möch­te ich an die kom­mer­zi­el­len Rund­funk­an­bie­ter appel­lie­ren, sich die­se Aus­gangs­si­tua­ti­on stär­ker bewusst zu machen und den ÖRR nicht aus rein markt­li­chen Gesichts­punk­ten, son­dern mit Blick auf die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be zu betrach­ten. Es braucht ein dua­les Rund­funk­sys­tem, das sich gegen­sei­tig stützt, die Stär­ken und Schwä­chen des jeweils ande­ren Modells ide­al kom­ple­men­tiert. Aller­dings ist dem ÖRR an die­ser Stel­le eben­falls ein Vor­wurf zu machen, sich mit einer Viel­zahl von unter­hal­ten­den Talk­shows und Seri­en zu stark in das Hoheits­ge­biet der pri­va­ten Sen­der bege­ben zu haben (vgl. Beck 2018, S. 287 f.). Mit Beck (2018, S. 221) lässt sich ein dif­fe­ren­zier­tes Resü­mee die­ses Abschnitts zie­hen: „Auch die öffent­lich-recht­li­chen Fern­seh­pro­gram­me zei­gen mitt­ler­wei­le vie­le der für die kom­mer­zi­el­len Pro­gram­me geschil­der­ten Struk­tu­ren, was als Ergeb­nis von Pro­gramm­kon­ver­genz und Anpas­sung an ver­än­der­te Publi­kums­er­war­tun­gen begrif­fen wer­den kann. Auf­grund ihres Funk­ti­ons­auf­tra­ges unter­hal­ten die öffent­lich-recht­li­chen Anstal­ten aber in weit­aus stär­ke­rem Maße jour­na­lis­tisch arbei­ten­de Redak­tio­nen mit einem publi­zis­ti­schen Qua­li­täts­an­spruch, der sich nicht nur auf die Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen beschränkt“.

Medi­en­nut­zung der Jün­ge­ren stellt den ÖRR vor Herausforderungen

Mit dem Stich­wort „ver­än­der­te Publi­kums­er­war­tun­gen“ nimmt Klaus Beck dan­kens­wer­ter­wei­se die Über­lei­tung zum nächs­ten gro­ßen The­men­kom­plex vor, wel­cher für eine adäqua­te Bestands­auf­nah­me des ÖRR – vor­nehm­lich in Bezug auf Deutsch­land – unab­ding­bar ist: Die aktu­el­le Medi­en­nut­zung der Bevöl­ke­rung. Mit einem all­ge­mei­nen Blick auf die Nut­zung von Video- und Audio-For­ma­ten ist zu kon­sta­tie­ren, dass der Groß­teil der Deut­schen linea­re Ange­bo­te nutzt (vgl. ARD-/ZDF-Stu­die Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on 2020, S. 3). In der Ziel­grup­pe der 14- bis 29-Jäh­ri­gen offen­bart sich jedoch ein gegen­läu­fi­ger Trend. Nicht-linea­re Ver­brei­tung­we­ge wie Strea­ming-Anbie­ter oder You­Tube domi­nie­ren im Video-Sek­tor, Musik-Strea­ming­diens­te wie Spo­ti­fy lie­gen vor Radio­sen­dern bei den unter 30-Jäh­ri­gen (vgl. ebd.). Ins­ge­samt zeich­nen sich all­ge­mei­ne Reich­wei­ten­ver­schie­bun­gen hin zu ent­li­nea­ri­sier­ten Ange­bo­ten ab (vgl. ebd., S. 13). Zu die­ser Erkennt­nis kom­men auch Jörg Schnei­der und Mark Eisen­eg­ger in der Schweiz, die die News­re­por­toires der 16- bis 29-Jäh­ri­gen im Zeit­raum von 2009 bis 2017 unter­such­ten. Dabei stel­len sie fest, dass der Anteil der News-Depri­vier­ten und Glo­bal Sur­fer stark zuneh­me (vgl. Schnei­der & Eisen­eg­ger 2018, S. 93). Die­se bei­den Grup­pen infor­mier­ten sich vor allem über (sozia­le) Online-Medi­en und sei­en durch eine eher unter­durch­schnitt­li­che Nut­zung qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Nach­rich­ten­me­di­en gekenn­zeich­net (vgl. ebd.). Auch Dörr et al. (2016, S. 24) ana­ly­sie­ren eine gewis­se Frag­men­tie­rung des Medi­en­pu­bli­kums: „Die 14- bis 49-Jäh­ri­gen und erst recht die 14- bis 29- Jäh­ri­gen wen­den sich in immer grö­ße­rem Maß den pri­va­ten Pro­gram­men und Abruf­an­ge­bo­ten zu, sodass man durch­aus von einem Genera­tio­nen­ab­riss zu Las­ten des öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hens spre­chen kann. Hin­zu kom­men spe­zi­fi­sche Frag­men­tie­rungs­ten­den­zen durch die Mög­lich­kei­ten der Inter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on, die den gesell­schaft­li­chen Dis­kurs ver­än­dern“.

Die aktu­el­le ARD-ZDF-Stu­die „Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on 2020“ sen­det neben die­ser gro­ßen Her­aus­for­de­rung mit Blick auf das Publi­kum jedoch eben­so posi­ti­ve Nach­rich­ten: Dem­nach lie­gen öffent­lich-recht­li­che Medi­en – anders als Dörr et al. befürch­ten – in fast allen Bewer­tungs­ka­te­go­rien vor den Pri­vat­sen­dern. Sie wer­den als glaub­wür­digs­te Quel­le ein­ge­stuft und ste­hen für rele­van­te The­men. Die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en gel­ten als wich­tigs­te Infor­ma­ti­ons­in­stanz für poli­ti­sche Inhal­te, auch bei jun­gen Men­schen. Und, das kommt durch­aus über­ra­schend, sie bil­den ins­ge­samt das viel­sei­tigs­te und aus­ge­gli­chens­te Ange­bots­pro­fil für Audio- und TV-For­ma­te ab. Die Pri­vat­sen­der und glo­ba­le Platt­for­men punk­ten gegen­über dem ÖRR im Unter­hal­tungs­be­reich mit pass­ge­nau­en Inhal­ten (vgl. ARD-ZDF-For­schungs­kom­mi­si­on 2020, S. 43–50). For­schung aus Öster­reich legt nahe, dass eine Unter­scheid­bar­keit zu pri­va­ten Sen­dern als wich­ti­ges Bewer­tungs­kri­te­ri­um des ÖRR aus Sicht des Publi­kums gilt (vgl. Gon­ser & Rei­ter 2018, S. 151). Dort kom­me außer­dem eine hohe Rele­vanz und Wert­schät­zung des ÖRR zum Aus­druck, wenn es um Viel­falt, Infor­ma­ti­ons­über­blick, regio­na­le Bericht­erstat­tung und Rand­the­men gehe (vgl. ebd., S. 156). Unter­hal­tungs­for­ma­te von öffent­lich-recht­li­chen Medi­en wer­den hin­ge­gen als Absen­kung der Qua­li­tät für eine höhe­re Quo­te kri­tisch bewer­tet (vgl. ebd., S. 151). Alar­mie­rend ist die Tat­sa­che, dass der ÖRR vor allem, aber nicht nur bei jün­ge­ren Men­schen die gerings­ten Wer­te für Unab­hän­gig­keit ver­bucht (vgl. ARD-ZDF-For­schungs­kom­mi­si­on 2020, S. 43 f.). Die Haupt­er­klä­rung dafür dürf­te in zuge­schrie­be­ner poli­ti­scher Ein­fluss­nah­me inner­halb der Kon­troll­gre­mi­en und in Bezug auf Per­so­nal­ent­schei­dun­gen lie­gen (vgl. Gon­ser & Rei­ter 2018, S. 159 ff.; vgl. Beck 2018, S. 238 f.; vgl. Don­ges 2016, S. 92; vgl. Jar­ren 2020, S. 246).

„funk“ als wich­ti­ger Schritt in der Digitalstrategie

Aus den Erkennt­nis­sen der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on-Stu­die wird deut­lich, dass sich das media­le Inter­net zur domi­nie­ren­den Nut­zungs­form in der jun­gen Ziel­grup­pe ent­wi­ckelt hat (vgl. ebd., S. 38). Die­sen Trend haben die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der in Deutsch­land erkannt und zumin­dest teil­wei­se geeig­ne­te Maß­nah­men getrof­fen. An vor­ders­ter Front zu nen­nen ist dabei das von ARD und ZDF gemein­sam ins Leben geru­fe­ne Jugend­an­ge­bot „funk“. Dabei spie­len die Macher*innen der Platt­form die Inhal­te mit einer auf die jun­gen Ziel­grup­pe zuge­schnit­te­nen Stra­te­gie aus: „Wir wol­len mit unse­ren Inhal­ten Men­schen zwi­schen 14 und 29 errei­chen. Das kön­nen wir natür­lich nicht mit ein und dem­sel­ben Ange­bot. Denn eine 14-jäh­ri­ge Schü­le­rin sucht im Netz nach ande­ren Din­gen als ein 29-jäh­ri­ger Berufs­tä­ti­ger. Des­we­gen pro­du­zie­ren wir unter­schied­li­che For­ma­te für Men­schen mit unter­schied­li­chen Inter­es­sen – und las­sen funk für jeden etwas anders aus­se­hen“ (Funk 2021). Die Jugend­aus­ga­be des ÖRR ist neben der eige­nen Web­sei­te nur über Inter­me­diä­re wie You­Tube, Snap­chat und Face­book ver­füg­bar (vgl. Stark & Stei­ner 2018, S. 85). Sie soll als Inno­va­ti­ons­trei­ber für die im Rund­funk­staats­ver­trag fest­ge­schrie­be­nen Berei­che Bil­dung, Infor­ma­ti­on, Unter­hal­tung und Bera­tung fun­gie­ren (vgl. ebd.). Video als Kern­me­di­um, eine aus­ge­präg­te Feed­back­kul­tur und Koope­ra­tio­nen mit Influ­en­cern sind fes­ter Teil der Stra­te­gie (vgl. ebd.). Den Nutzer*innen ist es zudem mög­lich, sich mit eige­nen For­ma­t­ideen bei „funk“ zu bewer­ben und so das Ange­bot selbst mit­zu­ge­stal­ten (vgl. Funk 2021). Bir­git Stark & Miri­am Stei­ner (2018, S. 86) sehen in dem Jugend­an­ge­bot einen „Para­dig­men­wech­sel, denn als Con­tent-Netz­werk für Web­for­ma­te löst es sich kom­plett vom Gedan­ken des klas­si­schen linea­ren Fern­se­hens und damit vom Gedan­ken eines vor­ge­ge­be­nen Fern­seh­pro­gramms“. Dass eine sol­che Platt­form über­haupt geschaf­fen wer­den konn­te, mach­ten erst ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen im Rund­funk­staats­ver­trag mög­lich. Dort wur­den zen­tra­le Beschrän­kun­gen wie der Drei-Stu­fen-Test zur Bestim­mung des gesell­schaft­li­chen Mehr­wer­tes und Ver­weil­dau­er­be­schrän­kun­gen für Tele­me­di­en­an­ge­bo­te in Bezug auf die Spe­zi­fi­ka des Jugend­me­di­ums „funk“ auf­ge­ho­ben (vgl. ebd., S. 84 ff; vgl. RStV, S. 21 ff.). Das in Para­graph 11g gere­gel­te Jugend­an­ge­bot sol­le die Lebens­rea­li­tät der jun­gen Ziel­grup­pe abbil­den und damit sei­nen Bei­trag zur Erfül­lung des Funk­ti­ons­auf­trags leis­ten (vgl. RStV, S. 23). Mit Stark & Stei­ner (vgl. 2018, S. 89) lässt sich „funk“ treff­lich als eine schma­le Grat­wan­de­rung zwi­schen den nor­ma­ti­ven Anfor­de­run­gen an den ÖRR und einer ini­di­vi­du­el­len, unter­hal­tungs­ori­en­tier­ten Logik von Online-Platt­for­men beschrei­ben. Ich sehe in die­sem Jugend­an­ge­bot grund­sätz­lich einen essen­zi­el­len Schritt für den ÖRR, sich stär­ker an den Inter­es­sen der 14- bis 29-Jäh­ri­gen zu ori­en­tie­ren und die­se auf eine pass­ge­naue Art mit Inhal­ten zu ver­sor­gen. Eine beglei­ten­de Recher­che auf Face­book unter­streicht aber, dass der Unter­hal­tungs­aspekt nicht zu sehr aus­ge­reizt wer­den darf – Vide­os wie „Alman im Home Office“ oder „33 Zun­gen­küs­se in 3 Stun­den“ erschei­nen mir per se noch nicht gemein­wohl­för­der­lich. Pro­ble­ma­tisch könn­te die schwie­ri­ge Sicht­bar­keit des For­ma­tes sein, da „funk“ auf den ers­ten Blick noch kei­ne Ver­bin­dung zu ARD und ZDF sug­ge­riert. Außer­dem geben die bei­den öffent­lich-recht­li­chen Anbie­ter die Bei­trags­se­lek­ti­on in die Hän­de der Inter­me­diä­re, die die Inhal­te von „funk“ auf Basis von Algo­rith­men dis­tri­bu­ier­ten (vgl. Stark & Stei­ner 2018, S. 88) – und spie­len damit ihren größ­ten und gefähr­lichs­ten Kon­tra­hen­ten in die Karten.

Inter­me­diä­re trei­ben den ÖRR in die Enge

Die Bedro­hung durch ande­re glo­bal play­er auf dem digi­ta­len Medi­en­markt betrifft dabei auch die pri­va­ten Sen­der: „Neue Akteu­re und Ange­bots­for­men, ins­be­son­de­re Platt­for­men und Inter­me­diä­re ent­zie­hen dem Wer­be­markt Inves­ti­tio­nen, die nicht mehr für die Jour­na­lis­mus-Finan­zie­rung zur Ver­fü­gung ste­hen. Gleich­zei­tig erzeu­gen sie algo­rith­misch oder durch die Bün­de­lung von User Gene­ra­ted Con­tent ein Ange­bot, das mög­lich­wei­se von Tei­len der Öffent­lich­keit als funk­tio­na­les Äqui­va­lent zu jour­na­lis­tisch pro­du­zier­ten Nach­rich­ten und Kom­men­ta­ren ange­se­hen wird und durch­aus infor­mie­rend sowie mei­nungs­bil­dend wir­ken kann“ (Beck 2018, S. 351). Die­se extre­me Kon­kur­renz auf dem Wer­be­markt könn­te eine Erklä­rung dafür sein, war­um Pres­se und pri­va­ter Rund­funk nei­di­sche Bli­cke auf die kri­sen­si­che­re Finan­zie­rung des ÖRR wer­fen. Doch genau genom­men sind alle drei Ange­bots­for­men von Inter­me­diä­ren bedroht. Denn die­se böten Internet-Nutzer*innen bereits heu­te eine zen­tra­le Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on und setz­ten sich damit gegen eta­blier­te Medi­en­an­bie­ter durch (vgl. Seufert 2017, S. 24). Die­se Befun­de sind ins­be­son­de­re für den ÖRR dra­ma­tisch, gefähr­den sie doch die gesell­schaft­li­che Legi­ti­ma­ti­on des Funk­ti­ons­auf­trags. Wenn Platt­for­men zuneh­mend als Gate­kee­per für die Ent­ste­hung und Aus­ge­stal­tung der digi­ta­len Öffent­lich­keit aus Sicht des Publi­kums ein­ge­schätzt wer­den (vgl. Dobusch 2018, S. 308 ff.), braucht es einen ÖRR, der die­ser Ent­wick­lung ent­schlos­sen ent­ge­gen­steu­ert. Das Kern­ge­schäft der Platt­for­men liegt näm­lich ledig­lich dar­in, frem­de Inhal­te zugäng­lich zu machen (vgl. Dörr et al. 2016, S. 16 f.). Sie ermög­lich­ten einer­seits attrak­ti­ve Ver­öf­fent­li­chungs- und Krea­ti­vi­täts­spiel­räu­me für nicht-kom­mer­zi­el­le Akteu­re, ande­rer­seits stel­le die algo­rith­mi­sche Fil­te­rung von Inhal­ten eine Gefahr dar (vgl. Dobusch 2018, S. 308 ff.). Die Auto­ma­tis­men die­ser digi­ta­len Platt­for­men kön­nen getrost als Gegen­pol des Funk­ti­ons­auf­trags des ÖRR bezeich­net wer­den, denn es kom­me „ (…) schnell zu einer Ent­frem­dung zu ande­ren Lebens­mi­lieus, ins­be­son­de­re auch zu einer gewis­sen poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Iso­lie­rung (…)“ (Dörr et al. 2016, S. 17). Auch wenn die an öko­no­mi­schen Zie­len inter­es­sier­ten Inter­me­diä­re wie Goog­le gewis­se Infor­ma­ti­ons­gren­zen auf­hö­ben, schränk­ten sie durch den finan­zi­ell beein­fluss­ba­ren Algo­rith­mus Mei­nungs­viel­falt und Chan­cen­gleich­heit ein (vgl. Gund­lach 2020, S. 130 f.). Ins­be­son­de­re Goog­le steht dabei im Mit­tel­punkt der Betrach­tung. Das US-ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men kön­ne über die algo­rith­mi­sche Orga­ni­sa­ti­on von Such­an­fra­gen gro­ßen Ein­fluss auf die gesell­schaft­li­che Mei­nungs­bil­dung neh­men (vgl. ebd., S. 133). Aus der ARD/ZDF-Lang­zeit­stu­die Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on (vgl. 2020, S. 57) geht zudem her­vor, dass ein Groß­teil der Befrag­ten in Zukunft zuneh­men­den Ein­fluss von Goog­le & Co. erwar­tet und über­dies die stei­gen­de Gefahr von Fil­ter­bla­sen prognostiziert.

„Die­se Ent­wick­lun­gen muss zur Kennt­nis neh­men, wer sich heu­te dar­an­ma­chen will, eine Medi­en­ord­nung auf der Höhe der digi­ta­len Zeit zu gestal­ten. Denn natür­lich brau­chen die über­kom­me­nen Regeln, nach denen wir das bis­lang jour­na­lis­tisch ver­mit­tel­te gesell­schaft­li­che Gespräch gestalten,eine Erneue­rung im Ange­sicht neu­er tech­no­lo­gi­scher Mög­lich­kei­ten“, brin­gen Cars­ten Bros­da und Wolf­gang Schulz (2020, S. 13) auf den Punkt.

Impli­ka­tio­nen für eine zukünf­ti­ge, zwin­gend zukunfts­fä­hi­ge Aus­rich­tung des ÖRR

Die dar­ge­stell­ten Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re und Mona­te tan­gie­ren die zukünf­ti­ge, zwin­gend zukunfts­fä­hi­ge Aus­rich­tung des ÖRR mas­siv. Der Begriff Neu­ge­stal­tung ist mir dafür zu hoch gegrif­fen und ver­kennt die bereits exis­tie­ren­den Anstren­gun­gen des ÖRR. Viel­mehr benö­tigt es ein zeit­ge­mä­ßes Update in meh­re­ren Berei­chen und aus­ge­hend von diver­sen Akteurs­grup­pen. Mit der vor­ge­stell­ten Wis­sens­ba­sis und eini­gen Lösungs­an­sät­zen aus der Lite­ra­tur erge­ben sich fol­gen­de, nach Ober­be­grif­fen geord­ne­te Impli­ka­tio­nen für den ÖRR und die Medi­en­po­li­tik der Zukunft:

Dyna­mi­sche, zeit­ge­mä­ße Medi­en­po­li­tik zur Ent­fal­tung des ÖRR

Im Sin­ne von Bros­da & Schulz (vgl. 2020, S. 13) plä­diert die­ser Bei­trag für eine Fle­xi­bi­li­sie­rung des Funk­ti­ons­auf­trags, der den öffent­lich-recht­li­chen Akteu­ren mehr Frei­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung ein­räumt. Die Qua­li­täts­kri­te­ri­en des ÖRR soll­ten nicht an bestimm­te Ver­brei­tungs­we­ge gekop­pelt wer­den (vgl. ebd.). Die ein­leuch­ten­de For­de­rung nach einer Anpas­sung des Funk­ti­ons­auf­trags an die Gege­ben­hei­ten der Digi­ta­li­sie­rung for­der­te auch der Akteurs­zu­sam­men­schluss „Zukunft der öffent­lich-recht­li­chen Medi­en“. Die­se spra­chen sich unter ande­rem für eine Abschaf­fung der Lösch­frist für bestimm­te Sen­dun­gen, die erlaub­te Ver­wen­dung pres­se­ähn­li­cher Inhal­te und eine Erwei­te­rung des Archiv­auf­trags der öffent­lich-recht­li­chen Sen­der aus (vgl. Zukunft Öffent­lich-Recht­li­che 2018, S. 2). Wei­ter schreibt die Initia­ti­ve hin­sicht­lich der Wei­ter­ent­wick­lung im Bereich der Tele­me­di­en: „Der Gesetz­ge­ber soll­te sich dar­auf beschrän­ken, dafür ein Ver­fah­ren bereit zu stel­len, das sowohl die Betei­li­gung Betrof­fe­ner als auch der Öffent­lich­keit gewähr­leis­tet und – unter Wah­rung euro­päi­scher Vor­ga­ben – deut­lich unauf­wän­di­ger ist als der bis­her vor­ge­se­he­ne Drei-Stu­fen-Test“ (ebd.). Im 22. Rund­funk­staats­ver­trag haben sich die Län­der sol­chen Anpas­sun­gen bereits ange­nom­men und ana­log zum Jugend­an­ge­bot „funk“ fle­xi­ble­re Gestal­tungs­richt­li­ni­en für den ÖRR fest­ge­legt (vgl. Grass­muck 2020, S. 66). Dies erscheint als wich­ti­ger Schritt, um in Zukunft inno­va­ti­ve, jun­ge, online-zen­trier­te Ange­bo­te fle­xi­bler in das Port­fo­lio des ÖRR auf­zu­neh­men. Zudem emp­fin­de ich den Vor­schlag sinn­voll, den ÖRR im Ver­gleich zu Inter­me­diä­ren medi­en­po­li­tisch zu pri­vi­le­gie­ren, wenn es um die Ver­brei­tung der Inhal­te auf die­sen Platt­for­men geht (vgl. Dörr et al., S. 64 f.). Eine sol­che dyna­mi­sche und zeit­ge­mä­ße Medi­en­po­li­tik dürf­te in Zei­ten mas­si­ver poli­ti­scher, gesell­schaft­li­cher und tech­no­lo­gi­scher Trans­for­ma­tio­nen die Grund­vor­aus­set­zung für einen funk­tio­nie­ren­den ÖRR im Netz bil­den – stets unter Wah­rung und in Abgleich des in Para­graph 11 fest­ge­schrie­be­nen Funktionsauftrags!

Expe­ri­men­tier­freu­de als stra­te­gi­scher Part des ÖRR

Der ÖRR soll­te die von eini­gen Autor*innen ange­reg­te Idee eines natio­na­len und euro­päi­schen Public Open Space wagen (vgl. Mit­sch­ka & Unter­ber­ger 2018, Vor­wort; vgl. Dörr et al. 2016, S. 95 f.; vgl. Grass­muck 2020, S. 79 f.). Die­se impli­ziert eine Ver­net­zung mit Ein­rich­tun­gen wie Muse­en sowie ande­ren Kul­tur- und Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen (vgl. Dörr et al. 2016, S. 95 f.). Dort könn­ten unter Feder­füh­rung des ÖRR kul­tur-rele­van­te Inhal­te und Ange­bo­te gebün­delt wer­den. Als Vor­bild dient dabei bei­spiels­wei­se die euro­päi­sche Platt­form Euro­pea­na (vgl. Grass­muck 2020, S. 80). Eine Koope­ra­ti­on mit der einer ähn­li­chen Logik des ÖRR fol­gen­den Wis­sens­platt­form Wiki­pe­dia, die sich auch unter uns jun­gen Men­schen gro­ßer Beliebt­heit erfreut, wur­de mit Bewegt­bild-Inhal­ten von Ter­ra X (ZDF) zum The­ma Erd­er­wär­mung bereits durch­ge­führt (vgl. ebd., S. 80 f.). Dies ist ein sinn­vol­ler Ansatz, um den Funk­ti­ons­auf­trag digi­tal mit Leben zu fül­len und sich mit ande­ren Platt­for­men zu ver­net­zen. Vor allem kann es außer­dem ansatz­wei­se bedeu­ten, die Abhän­gig­keit von Inter­me­diä­ren wie You­Tube zu ver­rin­gern. Zusätz­lich lohnt sich ein Blick nach Groß­bri­tan­ni­en zur BBC, die in Deutsch­lands Rund­funk­his­to­rie ohne­hin eine maß­geb­li­che Rol­le spielt. Dort wer­den den Nutzer*innen unter ande­rem zeit­sou­ve­rä­ne Zugrif­fe auf Media­the­ken und die Ver­wen­dung des mobi­len Video­por­tals iPlay­er mit Feed­back­funk­ti­on ermög­licht (vgl. Dörr et al., S. 74 f.). Zudem bau­te die BBC eine eige­ne Online-Platt­form für medi­en­über­grei­fen­de Inhal­te mit hoher Qua­li­tät auf, schuf ein Netz­werk von Repor­tern zur Unter­stüt­zung des Lokal­jorna­lis­mus sowie einen Hub für loka­len Daten­jour­na­lis­mus (vgl. ebd., S. 78 f.). Die aus­ge­kop­pel­te Platt­form BBC Audio Sounds, die unter ande­rem ein brei­tes Pod­cast-Ange­bot bie­tet, mel­de­te im ver­gan­ge­nen Jahr Rekord­zah­len (vgl. Schee­le 2020). Well play­ed! An die­sem star­ken Bei­spiel könn­ten sich die öffent­lich-recht­li­chen Anbie­ter in Deutsch­land ori­en­tie­ren und die digi­ta­le Spiel­wie­se in Ver­ein­ba­rung mit dem Funk­ti­ons­auf­trag umfäng­li­cher und krea­ti­ver nut­zen. Dabei ist ein wich­ti­ger posi­ti­ver Neben­ef­fekt in Aus­sicht, der die Abgren­zung zu Inter­me­diä­ren ver­ein­fa­chen könn­te: Die Stär­kung der eige­nen Medi­en­mar­ken ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio. Nach Har­dy Gund­lach (vgl. 2020, S. 138) fun­gier­ten star­ke Brands als Ver­trau­ens­an­ker für Rezipient*innen, die bei der Suche nach Infor­ma­tio­nen eine fes­te und ver­läss­li­che Anlauf­stel­le bevorzugten.

Medi­en­kom­pe­tenz för­dern, Nutzer*innenverantwortung stärken

Ins­be­son­de­re jun­ge Men­schen, die in die­sem digi­ta­len Medi­en­markt mit zahl­rei­chen Inter­me­diä­ren und Strea­ming-Anbie­tern auf­wach­sen, soll­ten zusätz­lich die Per­spek­ti­ven öffent­lich-recht­li­cher Anbie­ter in ihr Medi­en­re­por­toire auf­neh­men. Um dies zu gewähr­leis­ten, bedarf es der För­de­rung von Medi­en­kom­pe­tenz: „Medi­en­nut­ze­rin­nen und ‑nut­zer benö­ti­gen eine fun­dier­te Medi­en­kom­pe­tenz, um sie im Gedan­ken des Public Value in ihrer Dop­pel­rol­le als Rezipientin/​Rezipient und Bürgerin/​Bürger zu stär­ken, die Public-Value-Medi­en nut­zen und for­dern“ (Gon­ser 2018, S. 3). Aus eige­ner Erfah­rung weiß ich, dass die­ses The­ma an Schu­len viel zu kurz kommt. Medi­en­kom­pe­tenz im digi­ta­len Zeit­al­ter soll­te min­des­tens Berück­sich­ti­gung im Poli­tik­un­ter­richt fin­den, wenn nicht sogar als eige­nes Fach ange­bo­ten wer­den. In den Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen muss zwin­gend das grund­le­gen­de Ver­ständ­nis für die Bedeu­tung jour­na­lis­ti­scher und öffent­lich-recht­li­cher Medi­en für die Aus­ge­stal­tung demo­kra­ti­scher Pro­zes­se gelegt wer­den (vgl. Schnei­der & Eisen­eg­ger 2018, S. 106). Medi­enso­zia­li­sa­ti­on und damit ein­her­ge­hen­de Nut­zungs­rou­ti­nen gel­ten schließ­lich als prä­gen­de Pro­zes­se für spä­te­res Rezep­ti­ons­ver­hal­ten (vgl. Gon­ser & Rei­ter 2018, S. 153). Sind die Grund­la­gen für Medi­en­kom­pe­tenz flä­chen­de­ckend gelegt, ent­schei­den die Nutzer*innen über die Anwen­dung des gesam­mel­ten Wis­sens. Daher ist an sämt­li­che (jun­ge) Medienrezipient*innen zu appel­lie­ren, sich über die Aus­wir­kun­gen ihres media­len Kon­sums bewusst zu wer­den und die von Nico­le Gon­ser beschrie­be­ne Dop­pel­rol­le anzu­neh­men. Denn sie sind es, die durch ihr kon­kre­tes Nut­zungs­ver­hal­ten und die Nach­fra­ge maß­geb­lich zur Aus­ge­stal­tung des Medi­en­sys­tems bei­tru­gen (vgl. Beck 2018, S. 349).

Mehr Par­ti­zi­pa­ti­on in Ent­ste­hungs­pro­zes­sen, mehr Trans­pa­renz und Viel­falt in Entscheidungsprozessen

Eine stär­ke­re Par­ti­zi­pa­ti­on der Rezipient*innen inner­halb der Ent­ste­hungs­pro­zes­se des ÖRR ist in der Lite­ra­tur nahe­zu Kon­sens. Die­ses Stre­ben geht von der Annah­me aus, dass neben den klas­si­schen Codes der Mas­sen­me­di­en eine sozi­al­me­dia­le Kom­po­nen­te, die Feed­back- und Aus­tausch­mög­lich­kei­ten beinhal­tet, gra­vie­rend an Bedeu­tung gewinnt (vgl. Rau 2019, S. 52 f.). Span­nend und logisch zugleich ist der Vor­schlag von Chris­to­pher Buschow, sich an jour­na­lis­ti­schen Start-Ups zu ori­en­tie­ren. Er unter­schei­det zwi­schen zwei For­men der Betei­li­gung: Mit­ar­beit inner­halb der The­men­se­lek­ti­on und Kon­ver­sa­ti­ons­jour­na­lis­mus (vgl. Buschow 2018, S. 33). Für den ÖRR ergibt ers­te­re Opti­on Sinn. Nutzer*innen könn­ten an Redak­ti­ons­sit­zun­gen teil­neh­men und aktiv The­men­wün­sche ein­brin­gen (vgl. ebd.). Die kon­kre­te Recher­che und End­ergeb­nis­se lägen wei­ter­hin in den Hän­den der aus­ge­bil­de­ten Spezialist*innen des ÖRR (vgl. ebd.). Ein wei­te­rer Ansatz­punkt wäre für mich die Schaf­fung von Syn­er­gien zwi­schen dem ÖRR und Bür­ger­me­di­en. Beck (vgl. 2018, 273 f.) berich­tet, dass letz­te­re nicht pro­fes­sio­nell pro­du­zier­ten und über ihre Abschaf­fung dis­ku­tiert wer­de. War­um soll­te der ÖRR nicht bei­spiels­wei­se auf einer zen­tra­len Platt­form im Inter­net Bür­ger­me­di­en unter­stüt­zen, wäh­rend die­se als opti­ma­ler Spie­gel für gesell­schaft­lich rele­van­te The­men fun­gie­ren? Das riecht nach einer Win-Win-Situa­ti­on für bei­de Sei­ten. Klaus Mei­er (2018, S. 37) fasst die Kern­idee der Partizipationsbefürworter*innen unter der For­mel „Unser aller Rund­funk“ zusam­men: „Sie ent­hält vie­ler­lei Poten­zi­al für neue redak­tio­nel­le Ideen, die nicht nur ein­sei­ti­ge Vor­stel­lun­gen von Demo­kra­tie und Öffent­lich­keit in der digi­ta­len Medi­en­welt ver­fol­gen, son­dern sowohl par­ti­zi­pa­tiv und dia­log­ori­en­tiert umfas­sen­de Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten vie­ler Akteu­re am öffent­li­chen Dis­kurs eröff­nen, als auch libe­ral-reprä­sen­ta­ti­ve Model­le mit der Sehn­sucht nach Ori­en­tie­rung, Ver­läss­lich­keit und Auf­klä­rung umset­zen und mit Leben fül­len“.

Die For­de­rung nach stär­ke­rer Trans­pa­renz inner­halb der Ent­schei­dungs­pro­zes­se ist ins­be­son­de­re auf die Kon­troll­gre­mi­en des ÖRR gemünzt. Die­se soll­ten dia­log­ori­en­tier­ter agie­ren und bei­spiels­wei­se offe­ne Tagun­gen abhal­ten (vgl. Mei­er 2018, S. 36; vgl. Zukunft Öffent­lich-Recht­li­che 2018, S. 3). Fer­ner emp­fiehlt die­ser Bei­trag eine Ent­po­li­ti­sie­rung der Kon­troll­gre­mi­en, die sich in einer aus­ge­wo­ge­ne­ren und staats­fer­ne­ren Zusam­men­set­zung wider­spie­geln wür­de. Hier­für kön­nen die Anre­gun­gen eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ra­tes (vgl. Jar­ren 2020, S. 258) und eines gesell­schaft­li­chen Kon­troll­gre­mi­ums (vgl. Don­ges 2016, S. 92) auf­ge­grif­fen wer­den. Damit gin­ge gleich­zei­tig eine stär­ke­re Viel­falt in Ent­schei­dungs­pro­zes­sen ein­her. Die­se könn­te außer­dem durch eine diver­si­fi­zier­te­re Cha­rak­ter­struk­tur in Redak­tio­nen inten­si­viert wer­den (vgl. Pörk­sen 2018, S. 48) – so, wie es bei­spiels­wei­se „funk“ in der Pra­xis umge­setzt hat. Ein essen­zi­el­ler Ansatz für eine höhe­re Akzep­tanz des ÖRR besteht für mich abschlie­ßend in einer trans­pa­ren­te­ren Infor­ma­ti­on über den Rund­funk­bei­trag. Damit sind wir am Aus­gangs­bei­spiel ange­kom­men: Der Bei­trags­ser­vice von ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio soll­te bereits in sei­nem Ein­zie­hungs­an­schrei­ben aus­führ­lich dar­stel­len, wie sich die monat­li­che Abga­be zusam­men­setzt und in wel­che Berei­che sie kon­kret inves­tiert wird. Exem­pla­risch dafür sei auf die Aus­füh­run­gen von Vol­ker Grass­muck (vgl. 2020, S. 52–57) hin­ge­wie­sen, der die Kos­ten­stel­len Per­so­nal, Pro­gramm und Orga­ne über­sicht­lich erklärt und auch die Vor­tei­le für Ver­wei­ge­rer des ÖRR ein­drück­lich zusammenfasst.

Plä­doy­er für einen star­ken ÖRR inner­halb einer dyna­mi­schen Medienpolitik 

Die­se Sei­ten von Grass­muck haben mir jeden­falls sehr dabei gehol­fen, die Bei­trags­fi­nan­zie­rung bes­ser zu ver­ste­hen. Ich habe sie sogleich an mei­nen Mit­be­woh­ner wei­ter­ge­lei­tet und bin gespannt auf sei­ne Ant­wort. Für mich steht fest, dass sich das Dua­le Rund­funk-Modell mit bin­nen- und außen­plu­ra­lis­ti­scher Sicher­stel­lung von Viel­falt  bewährt hat – eben­so wie die fes­te Finan­zie­rung. In die­sen poli­tisch, gesell­schaft­lich und tech­no­lo­gisch beweg­ten Zei­ten braucht es viel­leicht sogar mehr denn je einen gestärk­ten ÖRR als ein­ord­nen­de, demo­kra­tie­för­dern­de Instanz. Mit einer dyna­mi­schen Medi­en­po­li­tik und wei­te­ren Anstö­ßen aus Wis­sen­schaft, IT und Medi­en­bran­che erge­ben sich dem ÖRR dar­über hin­aus viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, sein Ange­bot kon­se­quent an einer dem Funk­ti­ons­auf­trag gerecht wer­den­den Digi­tal­stra­te­gie aus­zu­rich­ten. Gelingt dem ÖRR in Deutsch­land die­ser Spa­gat, ist es zumin­dest mög­lich, dass er die Dis­kus­sio­nen um sei­ne Legi­ti­mi­täts­grund­la­ge künf­tig auch in All­tags­si­tua­tio­nen zumin­dest in gerin­ge­rem Aus­maß füh­ren darf.

Lite­ra­tur

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Buschow, Chris­to­pher: Was der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk von jour­na­lis­ti­schen Start-ups ler­nen kann. Zur Zusam­men­ar­beit von Neu­grün­dun­gen mit ihrem Publi­kum. In: N. Gon­ser (Hrsg.), Der öffent­li­che (Mehr-)Wert von Medi­en. Public Value aus Publi­kums­sicht (S. 23–40). Wies­ba­den: Sprin­ger Fachmedien.

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Don­ges, Patrick (2016): Funk­ti­ons­auf­trä­ge des Rund­funks. In J. Heesen (Hrsg.), Hand­buch Medi­en- und Infor­ma­ti­ons­ethik (S. 89–95). Stutt­gart, J. B. Metz­ler Verlag.

Dörr, Die­ter, Holz­na­gel, Bernd & Picot, Arnold (2016): Legi­ti­ma­ti­on und Auf­trag des öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hens in Zei­ten der Cloud. Online ver­füg­bar unter https://www.zdf.de/assets/161007-gutachten-doerr-holznagel-picot-100~original , abge­ru­fen am 06.02.2021.

Eber­wein, Tobi­as, Saurwein, Flo­ri­an & Kar­ma­sin, Mat­thi­as (2019): Öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk in Euro­pa: ein kenn­zah­len­ba­sier­ter Ver­gleich zum Ver­hält­nis von Finan­zie­rung und Publi­kums­leis­tun­gen. In: M. Heim­bach-Steins (Hrsg.): Öffent­lich-recht­li­che Medi­en – Jahr­buch für Christ­li­che Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, Band 60 (S. 141–167). Müns­ter: Aschen­dorff Verlag.

Eisen­eg­ger, Mar­kus & Schnei­der, Jörg (2018): News­re­per­toires jun­ger Erwach­se­ner Medi­en­nut­zung und Poli­tik­wahr­neh­mung im Wan­del. In: N. Gon­ser (Hrsg.), Der öffent­li­che (Mehr-)Wert von Medi­en. Public Value aus Publi­kums­sicht (S. 93–107). Wies­ba­den: Sprin­ger Fachmedien.

Fili­po­vić, Alex­an­der (2019): Öffent­lich­keits­be­griff und Gemein­wohl­re­le­vanz des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks. Eine sozi­al- und medi­en­ethi­sche Per­spek­ti­ve. In: M. Heim­bach-Steins (Hrsg.): Öffent­lich-recht­li­che Medi­en – Jahr­buch für Christ­li­che Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, Band 60 (S. 87–112). Müns­ter: Aschen­dorff Verlag.

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Gund­lach, Har­dy (2020): Brau­chen wir eine öffent­lich-recht­li­che Such­ma­schi­ne? Zum Wett­be­werb im Online-Infor­ma­ti­ons­markt und stra­te­gi­sche Optio­nen für Public-Ser­vice-Medi­en. In: N. Gon­ser (Hrsg.), Der öffent­li­che (Mehr-)Wert von Medi­en. Public Value aus Publi­kums­sicht (S. 129–150). Wies­ba­den: Sprin­ger Fachmedien.

Hanfeld, Micha­el (2020): Uns droht ein Platt­form­schutz­ge­setz. Fra­gen an den Prä­si­den­ten des Pres­s­ele­ger­ver­bands, Mathi­as Döpf­ner. In Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, Nr. 284, Aus­ga­be vom 05.02.2020, S. 16. Frank­furt: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung GmbH.

Jar­ren, Otfried (2020): Ver­ant­wor­tungs­kul­tur in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­sell­schaft: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­po­li­tik – als Ansatz zur Aus­ge­stal­tung der digi­ta­len Medi­en­welt. In A. Sei­bert-Fohr (Hrsg.), Ent­grenz­te Ver­ant­wor­tung: Zur Reich­wei­te und Regu­lie­rung von Ver­ant­wor­tung in Wirt­schaft, Medi­en, Tech­nik und Umwelt (S. 241–261). Ber­lin: Sprin­ger Ver­lag GmbH.

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