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Jour­na­lis­tin, Akti­vis­tin, Influ­en­ce­rin – war­um es so schwie­rig ist, den Unter­schied zu finden!

Jour­na­lis­tin, Akti­vis­tin, Influ­en­ce­rin – war­um es so schwie­rig ist, den Unter­schied zu finden!

Wie sol­len klas­si­sche Medi­en auf Social Media reagie­ren? Wie setzt man sich am bes­ten mit neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rou­ti­nen aus­ein­an­der? Was unter­schei­det Jour­na­lis­ten von Influ­en­cern? Wo beginnt Jour­na­lis­mus, wo endet er? Das alles sind Fra­gen, die man an einem aktu­el­len Bei­spiel aus­ge­spro­chen gut nach­voll­zie­hen kann.

Auf einer kom­plet­ten Sei­te doku­men­tier­te die Braun­schwei­ger Zei­tung nun Auf­tritt und Schwer­punk­te der Braun­schwei­ger Social-Media-Kom­mu­ni­ka­teu­rin Ana­bel Schun­ke. Räumt man ihr damit zuviel Platz ein, nimmt man sie zu wich­tig? Wie ist sie über­haupt ein­zu­schät­zen, ist sie Jour­na­lis­tin, Akti­vis­tin, Influ­en­ce­rin? Mit ihrem Por­trait trat das Zei­tungs­haus und Redak­teur André Dol­le auch unter Lesern eine gro­ße Dis­kus­si­on los – Harald Rau vom Kom­Ma-Team wur­de als Exper­te zur Ein­ord­nung gefragt. 

In die­sem Post doku­men­tie­ren wir die Bericht­erstat­tung, die Reak­tio­nen von Frau Schun­ke, sowie den in der Zei­tung fort­ge­führ­ten Dis­kurs. Zusätz­lich zum in der Braun­schwei­ger Zei­tung abge­druck­ten Inter­view, stel­len wir hier auf der Kom­Ma-Sei­te die Lang­fas­sung des Inter­views mit Harald Rau zur Verfügung.

21. Juli 2020
Das Inter­view der Braun­schwei­ger Zeitung
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21. Juli 2020
21. Juli 2020
Reak­ti­on von Ana­bel Schunke

Ich könn­te jetzt hier ewig lang erklä­ren, wor­über ich 2 1/​2 Stun­den mit dem Kol­le­gen von der Braun­schwei­ger Zeitung…

Gepos­tet von Ana­bel Schun­ke am Diens­tag, 21. Juli 2020
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21. Juli 2020
23. Juli 2020
Ant­wort der Braunchwei­ger Zeitung
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23. Juli 2020
Reak­ti­on auf Facebook

Die Braun­schwei­ger Zei­tung legt nach. Man merkt, dass man mit Tex­ten über mich eine Reich­wei­te gene­riert, die man sonst…

Gepos­tet von Ana­bel Schun­ke am Mitt­woch, 22. Juli 2020
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Lang­fas­sung des Inter­views mit Mari­us Klin­ge­mann von der Braun­schwei­ger Zeitung:

Mari­us Klin­ge­mann: In einem Leser­brief der Braun­schwei­ger Zei­tung als Reak­ti­on auf die Bericht­erstat­tung wird geschrie­ben: „Ich ver­fol­ge schon lan­ge die Bei­trä­ge und Tex­te von Frau Schun­ke. Immer auf dem Punkt genau. Gut geschrie­ben. Und ohne jeg­li­che Ten­denz zu irgend­ei­nem poli­ti­schen Lager. Sie hat den Mut die Miss­stän­de in unse­rem Land anzu­spre­chen. Was schon allein trau­rig ist dass eine Jour­na­lis­tin Mut haben muss um etwas zu schrei­ben oder auf den sozia­len Netz­wer­ken zu zei­gen.“ Wie wür­den Sie das Prä­di­kat „Jour­na­list“ in Zusam­men­hang mit Frau Schun­ke beur­tei­len? Wel­che Rele­vanz und auch „Deu­tungs­macht“ hin­sicht­lich bspw. poli­ti­scher The­men (hier z.B.: Ein­wan­de­rung, Islam) haben Influ­en­cer heut­zu­ta­ge aus Ihrer Sicht, und das auf wel­ches Publi­kum? Was acht das „Phä­no­men Schun­ke“ dabei viel­leicht ins­be­son­de­re aus?

Harald Rau: Nun, es ist ja so, dass sich jeder Jour­na­list oder Jour­na­lis­tin nen­nen darf. Das ist kei­ne geschütz­te Berufs­be­zeich­nung. Die Dis­kus­si­on, wer der rich­ti­ge, der wah­re Jour­na­list ist, ist so alt wie das Berufs­bild selbst. Gehen wir zurück ins 19. Jahr­hun­dert – eine extrem gro­ße Zahl der Medi­en, damals alles Print­me­di­en, war Par­tei­en­pres­se. Das was wir heu­te als neu­tra­len Jour­na­lis­mus ken­nen, der einem Kodex ver­pflich­tet ist, das ist ein Phä­no­men, das im Grun­de erst nach der Neu­ord­nung des Medi­en­sys­tems durch die Alli­ier­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg mit ohne Fra­ge hier gutem angel­säch­si­schem Ein­fluss ent­stand. Den­noch wür­de ich immer einen Unter­schied zwi­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on über Sozia­le Medi­en und über Mas­sen­me­di­en machen. Der Ein­fluss von Influ­en­cern ist bezo­gen auf das Kauf­ver­hal­ten inzwi­schen ganz gut erforscht. Die meis­ten Stu­di­en – eine recht umfas­sen­de vom Bun­des­ver­band Digi­ta­le Wirt­schaft zum Bei­spiel – sagen, dass Influ­en­cer Kauf­ent­schei­dun­gen in durch­aus inter­es­san­tem Maße beein­flus­sen. Wir kön­nen also auch davon aus­ge­hen, dass sie auf poli­ti­scher Ebe­ne Bedeu­tung haben.

Mari­us Klin­ge­mann: Wo sto­ßen klas­si­sche Medi­en bei sol­chen Themen/​Konstellationen womög­lich an ihre Gren­zen, die für Influencer/“Internet-Persönlichkeiten“ nicht gel­ten? Wor­in liegt hier aus Ihrer Sicht die Gefahr (aber ggf. auch ein Vor­teil)?
Harald Rau: Wür­den Sie jeman­den, der sich Arzt nennt aber weder eine Appro­ba­ti­on noch ein abge­schlos­se­nes Stu­di­um oder eine Fach­arzt­aus­bil­dung absol­viert hat, Ihren Blind­darm ope­rie­ren las­sen? Sicher nicht! Im Medi­en­be­reich tun wir aber gera­de die­ses, dabei ist eine demo­kra­ti­sche, kom­plex aus­dif­fe­ren­zier­te Gesell­schaft ohne ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem der Medi­en­kom­mu­ni­ka­ti­on nicht denk­bar. Das ist mei­ne Über­zeu­gung. In der heu­ti­gen Medi­en­welt wach­sen Jour­na­lis­mus, Public Rela­ti­ons, Polit­stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on und Akti­vis­mus mehr oder weni­ger gezwun­ge­ner­ma­ßen zusam­men. Wir gestat­ten über Social Media Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern, Influ­en­cern – also Beein­fluss­ern -, Akti­vis­ten jeder Cou­leur, selbst­er­klär­ten Bes­ser­wis­sern und kei­nem Pres­se­ko­dex ver­pflich­te­ten Kom­mu­ni­ka­teu­ren uns mit ihren Mei­nun­gen zu behel­li­gen – nicht gut!

Mari­us Klin­ge­mann: Frau Schun­ke sieht sich laut ihrer Aus­sa­gen offen­bar nicht als klas­si­sche „Ver­füh­re­rin“, son­dern beruft sich auf die „Eigen­ver­ant­wor­tung“ der Men­schen, die ihr bspw. bei Face­book fol­gen und ihre Bei­trä­ge so auf­neh­men. Auch aus unse­rem genann­ten Arti­kel: „Und wie steht es um ihre Ver­ant­wor­tung? Auch jün­ge­re, noch unge­fes­tig­te Per­sön­lich­kei­ten dürf­ten ihre Bei­trä­ge lesen, ihre Film­chen schau­en. Schun­ke sagt ledig­lich: „Die Leu­te tra­gen eine Eigenverantwortung.“

Harald Rau: Das ist genau der Punkt – sie hat recht. die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve wäre, Medi­en­re­gu­lie­rung aus­zu­deh­nen, damit kom­men wir mög­li­cher­wei­se dem The­ma Zen­sur näher. Und der wich­ti­ge Satz lau­tet ja: „Eine Zen­sur fin­det nicht statt!“. Die ein­zi­ge Lösung wäre: Medi­en­bil­dung. Mün­di­ge Bür­ger in einer Demo­kra­tie brau­chen die Werk­zeu­ge zur guten Ent­schei­dungs­fin­dung. Wir haben ja wäh­rend der Pan­de­mie ja dann doch gese­hen, dass vie­le den klas­si­schen Medi­en eher ver­trau­en. Deren Absatz stieg. Wer infor­miert sein will, benö­tigt einen Stan­dard. Es gibt kei­ne ande­re Lösung als bereits im huma­nis­ti­schen Bil­dungs­ide­al for­mu­liert wur­de: Bil­dung ist mehr als Wis­sen. Wir brau­chen mehr und bes­se­re Medi­en­bil­dung. Schon Kin­der müs­sen wis­sen, was Medi­en mit ihnen machen – und was ernst­zu­neh­men­de Inhal­te sind und was nicht. Viel­leicht soll­ten wir ja zusätz­lich über eine geschütz­te Medi­en­kom­mu­ni­ka­ti­ons-Berufs­be­zeich­nung nachdenken.

Mari­us Klin­ge­mann: Kann man sich hier Ihrer Mei­nung nach als Mensch mit zig Tau­send Fol­lo­wern so ein­fach „aus der Affä­re ziehen“?

Harald Rau: Ja, das ist Mei­nungs­frei­heit, grund­ge­setz­lich gesichert.

Mari­us Klin­ge­mann: In einem wei­te­ren Leser­brief heißt es: „Ist es nicht etwas unver­hält­nis­mä­ßig, Frau Schun­ke die­se Büh­ne von einer gan­zen, kom­plet­ten Sei­te in Ihrer Zei­tung zu geben?“ Wie sehen Sie die Rol­le der „klas­si­schen Medi­en“ in die­ser Kon­stel­la­ti­on? Ist eine Aus­ein­an­der­set­zung mit „spe­zi­el­len“ Posi­ti­on, auch im hier statt­ge­fun­de­nen Umfang, jeder­zeit rich­tig oder soll­te man die­se „Büh­ne“ ggf. auch mal ver­weh­ren? Warum?

Harald Rau: Inter­es­san­ter­wei­se habe ich am Tag der Publi­ka­ti­on genau die­ses am Früh­stücks­tisch auch dis­ku­tiert: War­um gibt die Braun­schwei­ger Zei­tung hier eine solch gro­ße Platt­form? Per­sön­lich bin ich in die­sem Punkt hin- und her­ge­ris­sen: Wir müs­sen die­se The­men bespre­chen. In die­sem Fall unbe­dingt hin­zu­zu­fü­gen wäre: Im Netz sind 70.000 Fol­lower im Grun­de ein Klacks.- Gron­kh, der sich beim „Gamen“ über die Schul­ter schau­en lässt, hat 4,89 Mil­lio­nen Abon­nen­ten, wer also ist da Frau Schunke?.

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