{"id":4937,"date":"2021-03-21T10:00:00","date_gmt":"2021-03-21T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/komma.ostfalia.de\/?p=4937"},"modified":"2021-03-22T11:57:11","modified_gmt":"2021-03-22T10:57:11","slug":"kultur-wieder-in-den-mittelpunkt-der-gesellschaft-rucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/komma.ostfalia.de\/index.php\/kultur-wieder-in-den-mittelpunkt-der-gesellschaft-rucken\/","title":{"rendered":"\ufeffKultur wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft r\u00fccken"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kultur Talk #6 mit Prof. Dr. habil. Harald Rau<\/h2>\n\n\n\n<p>In der sechsten Folge des <a href=\"https:\/\/studio-kult.tv\/category\/der-kultur-talk\/\">Kultur Talk<\/a> sprechen Talkmaster PhDr. Sven-David M\u00fcller und Prof. Dr. Harald Rau. Gemeinsam talken die beiden zu Fragen wie: Warum ist Kommunikation f\u00fcr Kultur wichtig? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich zur Kulturkommunikation formulieren? Wo in der Region kann man Kultur erleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Harald Rau geht besonders auf seinen Wohnort Salzgitter ein, der seiner Meinung nach mehr Kultur zu bieten hat, als allgemein in der Region und dar\u00fcber hinaus bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Der Kultur Talk #6 - Im Gespr\u00e4ch mit Professor f\u00fcr Kommunikationsmanagement Dr. habil. Harald Rau\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/M-zx2k8eklQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Produziert wird der Kultur Talk von <a href=\"https:\/\/studio-kult.tv\/\">studio kult TV<\/a>. Neben dem kultur talk produziert studio kult TV auch Reportagen und das Live-Format &#8220;Live und in Farbe&#8221;. Im Programm von studio kult TV dreht sich alles um Kunst, Kultur, Gesundheit, aktuelle Ereignisse und herausragende Pers\u00f6nlichkeiten der Stadt Braunschweig und dem alten Land Braunschweig mit seinen St\u00e4dten Wolfsburg, Wolfenb\u00fcttel, Salzgitter und Goslar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Transkript des Talks<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Hallo und herzlich Willkommen zum Kultur Talk, dem Kulturmagazin aus und f\u00fcr die Stadt und Region Braunschweig. Ich habe heute einen ganz besonderen Gast. Keinen Theater-Intendanten, keinen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Kulturvereins, sondern einen leibhaftigen Professor: Prof. Dr. Harald Rau. Er ist Professor f\u00fcr Kommunikationsmanagement an der Ostfalia Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaft. In der Lehre befasst er sich mit Publizistik, Journalismus und Medien. Er ist auch in der Forschung sehr aktiv. Er befasst sich wissenschaftlich auch mit Kulturmanagement, Kommunikationsleistungen im Kulturbereich &#8211; aber als erstes interessiert mich nat\u00fcrlich, Harald, wie wird man eigentlich Professor?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Mit der Frage habe ich jetzt nicht gerechnet, aber eine tolle Frage. Das ist ja ein unglaublich langer Weg. Du kennst das ja auch aus deiner Karriere heraus. Ich habe das nie geplant. Professor zu werden habe ich nie geplant. Ich habe sogar in meinem Studium bewusst f\u00fcr mich \u2013 ich habe damals extra BWL gew\u00e4hlt damit ich nicht \u2026 in Hagen, ich habe in Hagen studiert, Fern-Universit\u00e4t, und in Hagen war die einzige M\u00f6glichkeit an Erziehungswissenschaften vorbeizukommen, in den Sozialwissenschaften, in denen man ganz BWL studiert, also Wirtschaftswissenschaften. Und ich wollte auf partout kein Lehrer werden. Heute bin ich so irgendwas wie ein Lehrer, wobei nat\u00fcrlich Hochschullehrer noch mal ein bisschen was anderes ist. Wie wird man Professor? Mit viel, mit viel Liebe zum Detail und Selbstdisziplin glaube ich. Ich glaub Selbstdisziplin ist wahrscheinlich und Selbstorganisation ist wahrscheinlich das zentrale Moment und man muss eine gewisse Hartn\u00e4ckigkeit vielleicht auch haben, um bei seinen Themen zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Und Kommunikationsmanagement ist ja wirklich ein spezielles Fach &#8211; und was kann das auch mit dem Thema Kultur zu tun haben? Ich wei\u00df, dass du gerade in diesem Bereich auch geforscht hast und forschst. Welche Bereiche ber\u00fchren da besonders? Was hast du f\u00fcr Ergebnisse erzielt, wobei bist du gerade aktiv in der Forschung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Also interessant finde ich immer die Kombination aus wie kann ich f\u00fcr den Kulturbetrieb so kommunizieren, dass der Kulturbetrieb relevant f\u00fcr die Gesellschaft und f\u00fcr die Menschen bleibt? Und das ist gar nicht so einfach, weil wenn ich jetzt die Frage nutze, um schon gleich so einen Bogen zu schlagen, du musst dir ja \u00fcberlegen, man hat im Kopf so ein Mindset und dieses Mindset sagt: Oper ist toll. Sage ich auch, ich gehe gerne mal in die Oper, ich gehe gerne MAL in die Oper. Aber die Oper k\u00f6nnte nicht davon existieren, von meinen eher seltenen ab und an Besuchen, sondern die br\u00e4uchte regelm\u00e4\u00dfigen Besuch und br\u00e4uchte vor allen Dingen kostendeckenden Besuch, damit sie tats\u00e4chlich in einem Marktmodell auch \u00fcberleben k\u00f6nnte. Und ich glaube, dass eben ein ganz gro\u00dfes Problem des Kulturbetriebes darin liegt, immer noch diese Relevanz zu behalten, damit eben auch die Resonanz in der Gesellschaft und in der Bev\u00f6lkerung auch bleibt und daf\u00fcr ist Kommunikation sehr, sehr wichtig. Und ich glaube der Kulturbetrieb braucht Kommunikationsleistungen, auch strategische Kommunikationsleistungen, um wahrgenommen zu bleiben, um auch weiterhin attraktiv zu sein, um weiterhin als Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Welchen Stellenwert hat Kultur in deinem privaten Leben, aber auch tats\u00e4chlich in der T\u00e4tigkeit als Hochschullehrer? In welcher Form kannst du dich auch als Hochschullehrer in die Kultur der Studenten, in die Kultur-Wahrnehmung von Studenten, in die Kultur-Beflissenheit von Studenten einbringen? Aber zuerst das private. In die Oper gehen habe ich jetzt schon geh\u00f6rt, ab und zu mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Harald Rau: Ab und zu mal. Ich bin eigentlich eher Sprechtheater-Typ, also Sprechtheater. Ich habe auch so ziemlich alles glaube ich an Sprechtheater gesehen, was es so auch in der Gegend gibt. Sch\u00e4tze auch durchaus das Schauspiel in Braunschweig. Und ich m\u00f6chte eine Szene kurz schildern, weil die glaube ich auch zu der ersten Frage ganz gut passt. Ich muss dazu leider so einen kleinen Bogen schlagen. Ich war in dieser wunderbaren Handke Inszenierung, diese Landstra\u00dfe da, hier am Staatstheater in Braunschweig, kleines Haus, und du musst dir vorstellen auf der B\u00fchne waren am Ende genauso viele Leute wie im Publikum, ja. Und deswegen glaube ich ist es so wichtig, dass wir Kultur unbedingt wieder in die Mitte der Gesellschaft f\u00fchren m\u00fcssen und dass wir was tun m\u00fcssen daf\u00fcr. F\u00fcr mich war das, war diese Inszenierung einer der grandiosesten die ich hier jemals gesehen habe. Also \u2026 vielleicht ausgenommen der Prinz von Homburg, der einfach durch dieses B\u00fchnenbild so genial war mit dieser Schlammschlacht im wahrsten Sinne des Wortes. Diejenigen, die hier regelm\u00e4\u00dfig sind, haben den bestimmt auch alle gesehen. Also man kann hier ja einfach wirklich tolle Sachen erleben und sie geht aber an manchen Stellen wirklich, es schie\u00dft offenbar an den gesellschaftlichen Realit\u00e4ten vorbei, was ich sehr traurig empfinde. Interessanterweise sind die Leute, die hier nicht ins Theater gehen, diejenigen, die in Wien ins Burgtheater gehen. Und das war jetzt nat\u00fcrlich ein guter Vergleich, weil der Burgtheater Schauspieler ausgerechnet in dem St\u00fcck ja auch mitgespielt haben. Insofern ist es wirklich eine Frage, wie kriegen wir es hin wieder den Kulturbetrieb so attraktiv zu machen, dass zumindest die Resonanz da ist, Subventionierung gerne immer noch, aber dass zumindest die Resonanz da ist und dass wir Reichweite bekommen? In Social Media Zeiten reden wir immer von Reichweite und ich glaube, dass der Live-Kulturbetrieb an manchen Stellen, wenn wir von h\u00f6herer Kultur, rede jetzt nicht von Hochkultur, aber von h\u00f6herer Kultur ausgehen, da ist der Live-Betrieb einfach oftmals wirklich, ja, in unserem Bewusstsein unterrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Wir haben ja im kulturellen Bereich nicht nur die Oper und das Schauspiel, das Tanztheater, Konzert, sondern wir haben ja auch Museen. Ich glaube Museen leiden noch viel mehr unter zu geringer Reichweite. Wie ist das aus deiner Einsch\u00e4tzung als Kommunikationsexperte: Wie k\u00f6nnten Museen wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft ger\u00fcckt werden? Nur \u00fcber Events oder wie ist das machbar?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Das ist eine ausgezeichnete Frage, weil wir bis heute aus erfahrungswissenschaftlicher Sicht keine wirkliche Antwort darauf haben, sonst h\u00e4tten wir die L\u00f6sung ja schon parat. Vielleicht darf ich einfach mal einen \u00f6konomischen Vorschlag machen. Wir alle handeln, wir gehen ins Restaurant, setzen uns hier zum Beispiel in den Heinrich, wenn die Pandemie vorbei ist. Wir gehen aus, wir g\u00f6nnen uns was, das hei\u00dft wir haben bestimmte Bed\u00fcrfnisse, die wir befriedigen und die wir erf\u00fcllen. Und ich unterscheide immer gerne zwischen handlungsleitenden Bed\u00fcrfnissen, also ich gehe jetzt hier wirklich essen, und zwischen den Bed\u00fcrfnissen, die eben nicht handlungsleitend gelebt sind. Und kulturelle Bed\u00fcrfnisse sind f\u00fcr mich ganz oft eben Bed\u00fcrfnisse, da wo man denkt: Ja, Oper ist wichtig, dass wir sie haben, Theater, Schauspiel ist wichtig, dass wir das haben, Museen ist ganz wichtig, dass wir es haben, dass wir diese Kultur auch bewahren. Ich unterst\u00fctze das auch gerne, aber ich gehe eigentlich nicht hin. Ich war unl\u00e4ngst, das war nat\u00fcrlich schon in diesem Jahr im Fr\u00fchsommer, das war schon auch schon zu Zeiten der Pandemie, die Museen hatten noch offen und ein guter Freund aus Hamburg hat mich besucht. Dann sind wir hier ins Herzog-Anton-Ulrich-Museum gegangen, weil wir nat\u00fcrlich, weil ich wei\u00df, dass Hardy Gundlach, auch ein Medienregulations- oder Medienregulierungsexperte und Hardy wei\u00df ich, wenn wir uns treffen, wir gehen eigentlich immer ins Museum. Egal wenn wir auf einer Tagung uns treffen, sage ich \u201eHardy, wie sieht&#8217;s aus, gehen wir im Anschluss wieder ins Museum?\u201c. Dann habe ich gedacht, na dann biete ihm was Gutes, weil die Sammlung hier ist ja einzigartig und wir waren mit zwei weiteren G\u00e4sten in diesem gro\u00dfen Haus die einzigen G\u00e4ste. Und es waren deutlich mehr, auch diesem Falle, wieder deutlich mehr Aufsichten und Ordner \u2026 Wei\u00df nicht, wie bezeichnet man \u2026 Ja, Museumsaufsichten im Haus als Besucher. Dabei macht ja auch dieses Museum schon relativ viel in der Kommunikation. Sie haben ja schon viele \u2026 Sie haben eine tolle Website, sie machen Events, sie machen Veranstaltungen. Ich glaube, dass wir einfach noch st\u00e4rker eben genau diese kulturlichen Bed\u00fcrfnisse, also wir sagen Kultur ist etwas was unsere Gesellschaft zusammenh\u00e4lt, dass wird das einfach immer und immer und immer wieder und noch st\u00e4rker betonen m\u00fcssen. Dass wir zumindest auch den gesellschaftlichen R\u00fcckhalt daf\u00fcr haben, denn irgendwann, wenn wir gar keine Resonanz mehr haben, dann k\u00f6nnen wir sagen, ja, also Sie erinnern sich vielleicht an dieses Buch \u201eDer Kulturinfarkt\u201c, wo es genau darum geht, dass wir viel zu viele Theater, Orchester, Museen &#8211; es geht im Wesentlichen dort um Orchester und Museen &#8211; viel zu viel davon haben und viel zu viel finanzieren, aber es ist ja unsere Identit\u00e4t, die am Ende da dranh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Die Ostfalia ist ja eine Hochschule, die von ihrer Dimension nicht untersch\u00e4tzt werden darf. Es ist mit 13.000, fast 13.000 Studenten, eine der gro\u00dfen, einer der gr\u00f6\u00dften Hochschulen in Niedersachsen und auch in ganz Norddeutschland, das darf man nicht \u00fcbersehen. Die Standorte sind eben nicht in Braunschweig, sondern Salzgitter, Wolfsburg, Suderburg, Wolfenb\u00fcttel. Wie kann eine Hochschule mit fast 13.000 Studenten das kulturelle Leben einer solchen gro\u00dfen Region bereichern? Was macht die Ostfalia selbst, um Kultur zu bereichern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Was K\u00d6NNTE sie tun, w\u00fcrde ja gerne korrigieren. Wir haben die Tradition einer Technischen Hochschule. Kulturbereicherung \u2026 Sie merken an meiner langen Pause. Ich glaube, dass gerade auch diese Institution durchaus mehr f\u00fcr die Bereicherung kultureller Kontexte tun k\u00f6nnte. Wir hatten jetzt die M\u00f6glichkeit einen Nachlass zu erwerben, den Nachlass eines ganz ber\u00fchmten Forschers zu Egon Erwin Kisch. Egon Erwin Kisch ist ein Autor und Journalist, der mit gro\u00dfer Tragweite in den \u2026 die Jahrhundertwende, also die vorletzte Jahrhundertwende, gelebt hat. Kommunistisch unterlegt war, viele Forschungsreisen, also Reportagereisen im Grunde gemacht hat und so als literarischer Journalist wirklich sehr ber\u00fchmt war und wir hatten die M\u00f6glichkeit hier an den Nachlass heranzukommen. Die Hochschule hat es abgelehnt, auch nat\u00fcrlich, weil keine Erfahrung mit dem Hosting und mit dem Betrieb und mit \u2026 eine Aussage war schon \u201eWir sind kein Archiv\u201c. Das hat mich pers\u00f6nlich sehr verletzt, das muss ich ganz klar sagen, weil ich dort einfach die Chance gesehen h\u00e4tte, dass man gerade im Kulturbetrieb oder gerade in den Bereichen, die eben die Ostfalia heute repr\u00e4sentieren &#8211; wir sind nicht mehr nur eine Technische Hochschule, sondern wir sind viel weiter aufgestellt, wir sind viel weiter aufgespannt und haben eben sehr viele sozialwissenschaftliche und auch durchaus geisteswissenschaftliche Schwerpunkte. Aber gut, das sind strategische Entscheidungen. Ich respektiere das. Also ich respektiere das, es ist dann einfach nur eine M\u00f6glichkeit, die an uns vorbeigezogen ist. Mal sehen, vielleicht klappt noch irgendwas mit einer Stiftung, die uns unterst\u00fctzt. Aber das sind so Dinge, wo ich denke, vielleicht k\u00f6nnte man mit einem anderen, mit einer anderen Perspektive drauf doch noch st\u00e4rker in den Kulturbetrieb eingreifen. Es gibt ja, das muss man zur Ehrenrettung sagen, eben auch mal oder es gab in den Zeiten, in denen es m\u00f6glich war, auch Konzerte in der gro\u00dfen Aula in Wolfenb\u00fcttel. Es gibt durchaus viele Verbindungen in die Kulturszene hinein, das ist unbenommen. Ja, aber es ist \u2026 Ich glaube, da ist noch, wie man das im amerikanischen so sch\u00f6n sagt, room to improve. Ich glaube schon, dass da noch mehr m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Und wie kann man die Studenten als Hochschule daf\u00fcr begeistern, dass noch mehr sozusagen die Studenten sich ins kulturelle Leben einbringen oder einfach nur Konsument, Zuschauer oder Nutznie\u00dfer von kulturellen Angeboten sind?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Jetzt sehen Sie ja, dass die Theater in ganz Niedersachsen f\u00fcr Studenten und Studentinnen gro\u00dfartige Angebote machen. Man kann irgendwie eine halbe Stunde vorher kommen, bevor es anf\u00e4ngt und zahlt dann nix und hat einen Sitzplatz im Theater. Ja, auch schade, dass das auch nicht so \u00fcppig genutzt wird. Ich glaube \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Woran liegt das? Das muss doch einen Grund haben. Ich stelle heute Fragen, die niemand beantworten kann, das ist mir schon \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ich beantworte Sie Ihnen, auch wenn ich keinen empirischen Proof daf\u00fcr habe, ich beantworte sie Ihnen. Ich kann Ihnen aber nur meine eigene Position, meine eigene Haltung dazu sagen. Ich glaube, ich bin zutiefst \u00fcberzeugt davon, dass es am ver\u00e4nderten Kulturkonsum liegt. Also dass es am ver\u00e4nderten Konsumverhalten liegt. Ich bin ein gro\u00dfer Freund von dieses fromschen Denkens, ich will da nicht zu tief in die Theorie gehen, aber wir sind heute in unserer Gesellschaft sehr, sehr haben- orientiert. Ich habe Zugang zu etwas, ich habe Netflix, ich habe Amazon Prime, ich habe Disney, ich habe vielleicht noch Sky, also die Sportm\u00f6glichkeiten dazu. Und wir haben einfach ein so breites Subkultur-Angebot oder Unterhaltungskultur-Angebot, dass man sich ja auch \u2026 Also f\u00fcr uns sind ja diese langen Zeiten einer Pandemie, wie wir sie 2020 und jetzt auch 2021 erlebt haben, sind ja eigentlich gar nicht mehr so dramatisch, weil man ja im Angebot der Unterhaltungsmedien wunderbar abgedeckt ist. Also ich glaube, dass die, ja, vielleicht ist es einfach auch eine andere Art der Generationen, die anders ins Leben gekommen sind. Ich merke zum Beispiel bei uns zu Hause leben die Zwillinge meiner Lebensgef\u00e4hrtin mit 11 Jahren, die beherrschen Medientechnik ausgezeichnet, bei B\u00fcchern kommt dann das gro\u00dfe Fragezeichen. Und dann hatte ich letzte, hatten wir ein Gespr\u00e4ch auch mit einem Experten zuf\u00e4llig und der sagte dann \u201enaja, die lesen doch alle nicht in der Generation\u201c. Ja, also die lesen doch alle nicht, weil man ja schon immer denkt lesen ist die Kulturtechnik und ich glaube, dass wir in der Gesellschaft ganz, ganz stark darauf achten m\u00fcssen, dass die Lesef\u00e4higkeit erhalten bleibt. Und meine Liebe zum Theater kam eigentlich nur \u00fcber das Lesen, also ich wollte dann auch wissen, wie es denn dieser Faust jetzt umgesetzt oder wie ist denn jetzt dieser Wallenstein umgesetzt? Das ist ja eigentlich, wenn man es so liest ist es ja eher harmlos und man kann sich in die Sprache verlieben, aber am Ende ist es dann diese Umsetzung, die dann doch was, noch mal eine andere Welt er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen die Menschen wieder verst\u00e4rkt dazu bringen zu lesen und dann Br\u00fccken zu schlagen zum Schauspiel, zum Besuch eines Museums, zum Besuch einer Ausstellung, zum Besuch eines Geb\u00e4udes und da komme ich schon zur n\u00e4chsten Frage. Welche Orte in Salzgitter, in Salzgitter &#8211; du bist Professor in Salzgitter &#8211; muss man gesehen haben? Der Braunschweiger sagte sofort \u201each Salzgitter ist eine Arbeiterstadt, ich wusste gar nicht, dass es da einen Hochschulstandort gibt von Bedeutung\u201c, aber das ist ja nun einmal so. Aber jetzt neben diesem Hochschulstandort &#8211; was muss man in Salzgitter gesehen haben, neben Schloss Salder? Das kennt jeder in der Region.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Wie viel Zeit hast du? (Sven-David M\u00fcller: Wir haben sehr viel Zeit.) Okay. Dann w\u00fcrde ich tats\u00e4chlich im S\u00fcden anfangen. Ich finde ja die Struktur von Salzgitter sehr interessant. Das hei\u00dft, wenn du Salzgitter bereist musst du ein paar von diesen kleinen Orten gesehen haben. Also zum Beispiel Ohlendorf oder auch sowas gewachsenes wie Gitter. Einfach, dass man das erlebt hat. Du musst Schloss Ringelheim gesehen haben, dass leider am verfallen ist, aber Barockschloss mit einem Barockgarten hinten, also mit einem offenen Garten hinten dran der Englisch ist und wirklich ein \u2026 ich habe immer gedacht, warum bauen die die Hochschule nach Calbecht und nicht in dieses wunderbare Schloss Ringelheim? Bauen dieses um, investieren dort ihre 30 Millionen und dann hast du die Mittagspause, die Cafeteria mit dieser gro\u00dfen Treppe runter in den Garten von Schloss Ringelheim. Also Schloss Ringelheim ist tats\u00e4chlich ein Ort, wo ich sagen w\u00fcrde, exzellent. Auch die Kirche, die dazu geh\u00f6rt mit der wunderbaren Orgel drin, die machen ja wirklich tolle Konzerte dort auch, also von S\u00fcden dann kommend. Ringelheim ist deswegen auch spannend, weil wir dort alle Zugkreuzungen haben. Das w\u00fcrde es interessant machen f\u00fcr eine Hochschule auch, weil wir mit den \u00f6ffentlichen Personenverkehrs- Nahverkehrsmitteln hinkommen. Und dann gehen wir ein St\u00fcck weiter n\u00f6rdlich, in Bad, Bad ist eine sch\u00f6ne bezaubernde Kleinstadt, die in ihrem Innenstadtkern und dem Marktplatz nach wie vor ein wirklich sch\u00f6ner Platz ist. Und dann w\u00fcrde ich empfehlen von Bad aus die Wanderschuhe zu schn\u00fcren und \u00fcber den Salzgitter H\u00f6henzug bis nach Lichtenberg zu wandern. Und dann hast du eigentlich diese ganze \u00dcbersicht \u00fcber diesen Zwischenbereich, bevor du dann in Lichtenberg runter guckst, Bruchmachtersen nach Lebenstedt hinein. Und ich gehe gerne, wenn ich Besuch habe aus der Hauptstadt, kenne sehr viele Menschen aus Berlin, die mich dann durchaus auch in Salzgitter besuchen und dann immer ganz begeistert sind und mit der Chefredakteurin von EPD war ich Mountainbiken auf dem, in Salzgitter da oben am Reihersee und die war v\u00f6llig begeistert, sagt \u201edu f\u00e4hrst ja direkt aus der Haust\u00fcr und bist direkt oben am Reihersee\u201c. Solcher \u00dcberraschungseffekt hat man viel. Also man muss die Natur in Salzgitter gesehen haben und dann w\u00fcrde ich empfehlen, dass man nat\u00fcrlich nach Lebenstedt geht und an den Salzgittersee. Der ist die toll geworden! Ich k\u00f6nnte mir sogar vorstellen, dass man den noch erweitert und auch die Bebauung ringsherum, da hat sich viel, hat sich viel getan und dass man jetzt hier auch noch dieses Caf\u00e9 hat und im Sommer unten am See diese Bars und so eine Lounge-Bar mit Palettenm\u00f6beln sehr, sehr sch\u00f6n gemacht. Der Sohn unseres Hausmeisters interessanterweise, der die betreibt. Ganz witzig, wie sich dann auch Verbindungen ergeben. Insofern bleibt Salzgitter dann doch ein Dorf. Was ich an Lebenstedt sehr sch\u00e4tze und wenn du mich dann besuchst in Salzgitter, dann gehen wir in die Berliner Stra\u00dfe und gehen sch\u00f6n Essen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das geht wirklich sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Es gibt einen fantastischen T\u00fcrken in der Berliner Stra\u00dfe und nicht nur einen, sondern auch mehrere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Ich ziehe \u00fcbrigens wirklich nach Lebenstedt demn\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ja, herzlich willkommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Ich dachte in die Hauptstadt von Salzgitter muss man doch ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ja und was ich durchaus, ich bin ja auch schon manchmal so bisschen schr\u00e4g drauf. Also in der D\u00e4mmerung, in der sommerlichen D\u00e4mmerung durch Lebenstedt Innenstadt zu laufen, das machen wir dann wenn wir gegessen haben in der Berliner Stra\u00dfe. Also es gibt da so Einblicke, die sind absolut, ja, das ist 70er, es ist schr\u00e4g, aber es hat was Besonderes und wenn man dann in Lebenstedt noch runter zum alten Dorf l\u00e4uft, zur Kulturscheune, also herzlich \u2026 also ich finde Lebenstedt hat durchaus auch Lebensqualit\u00e4t. Auch wenn Kulturm\u00e4\u00dfig da \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> M\u00fcsste man mehr machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 &nbsp;nicht so wirklich viel l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das machen wir dann zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Sehr gerne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Wo w\u00e4ren solche Orte in Wolfenb\u00fcttel und Wolfsburg, wo du sagst, da muss man wirklich mal hingucken und man \u00fcbersieht es vielleicht sonst?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> In Wolfenb\u00fcttel, ja, in Wolfenb\u00fcttel f\u00e4llt mir eines sofort ein. Es gibt, ich hoffe sie ist noch, Herr Busche muss mir verzeihen, ich hoffe er hat sie noch stehen lassen. Es gibt im Keller der Bibliothek gibt es eine Ausstellung zu Zapf. Zapf ist ein, ist der Entwickler von Schriften, ein ganz ber\u00fchmter Entwickler von Schriften und diese Ausstellung ist so bezaubernd und so toll und da geht keiner hin, also die kennt auch kaum einer, aber ich w\u00fcrde wirklich empfehlen, das ist ein Kleinod und wenn sie noch da ist dann bitte, dann bitte dorthin gehen, auch in die Bibliothek. Ich finde das Lessinghaus kann man sich sparen, aber das ist Geschmackssache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Es klingt toll.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Und vielleicht k\u00f6nnte man auch irgendwie \u2026 Ich find ja das, was die, was die Akademie f\u00fcr kulturelle Bildung dort macht und was Isabelle Reinwand da auf die Beine stellt jedes Jahr mit ihrem Programm finde ich sehr bemerkenswert, aber das ist nat\u00fcrlich jetzt nichts, kein Ort wo man jetzt direkt hingehen kann, au\u00dfer ins G\u00e4stehaus, wo die externen G\u00e4ste in der M\u00fchle untergebracht werden. Das w\u00e4re in Wolfenb\u00fcttel etwas.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Und in Wolfsburg?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> in Wolfsburg, ich bin ganz ehrlich, in Wolfsburg gehe ich in die Autostadt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Ja. Das ist auch ein Kulturort, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Es ist ein Kulturort, ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Auch wenn da keine Oper stattfindet, wenn kein Ballett stattfindet, sondern es ist tats\u00e4chlich ein kultureller Ort. Ich glaube wir m\u00fcssen den Begriff Kultur auch sehr viel weiter fassen, um davon wegzukommen, dass es nicht im Mittelpunkt der Gesellschaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Also nat\u00fcrlich denken wir, wenn wir an die Autostadt denken im Kulturbereich, an Movimentos und ich bin aus der letzten Show bei dem Movimentos Ballett bin ich anschlie\u00dfend raus gegangen und habe gesagt: Jetzt habe ich alles gesehen, jetzt muss ich nichts mehr sehen, im Bewegungstheater, also sind Ballett Bereich. V\u00f6llig faszinierend was \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> W\u00e4re das Staatstheater gut beraten in der Autostadt ein Festival der Oper zu bringen? Oper ist ja wirklich etwas \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Mach doch! Probiert\u2019s doch aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das m\u00fcsste so sein, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Also ich denke alle Pl\u00e4tze die \u2026 Ich kann mich gut erinnern, ich komme ja aus S\u00fcddeutschland, man h\u00f6rt es im Idiom immer so ein bisschen an, ich kann mich unglaublich gut erinnern, es gab mal so eine Kampagne des Nationaltheaters in Mannheim. Auch ein sehr, sehr sch\u00f6nes Haus. Also das Haus meiner Kindheit im Grunde und meiner Jugend und die haben wirklich dann gesucht danach wo gibt es Pl\u00e4tze in dieser Stadt, in dieser Region, wo wir spontan mit Dingen auftreten k\u00f6nnen. Wo wir auffallen k\u00f6nnen, wo wir mit der Gesellschaft uns verschr\u00e4nken und sie haben dann ganz aktiv da auch die N\u00e4he gesucht und deswegen. Ich denke, also \u00fcberall, wo was m\u00f6glich ist, wo man vielleicht auch Begegnung schaffen kann, sehr gerne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Die Corona Pandemie ist ja schon mehrmals angeklungen. Wie k\u00f6nnen kulturelle Institutionen jetzt noch auf sich aufmerksam machen? Wir haben ja schon grunds\u00e4tzlich das Problem, dass sie nicht so sehr im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen wie sie stehen sollten, aber jetzt ist es ja doch sehr viel eindimensionaler. Das Theater, die Ausstellungsfl\u00e4che, das Orchester, das Museum, das Baudenkmal m\u00f6chte etwas, aber es kann es noch weniger kommunizieren als bisher. Was sind deine Empfehlungen, wie k\u00f6nnte man das anders machen oder ist es tats\u00e4chlich ein Pandemie-bedingtes Leiden, dass die Kultur noch weniger im Mittelpunkt der Gesellschaft ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Wie oft hast du Theaterkanal geguckt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Gut. Wie oft 3sat und solche Dinge?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> T\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Siehst du. Und damit zeigst du schon mit welcher Ausnahme oder welche Ausnahmen wir hier repr\u00e4sentieren d\u00fcrfen. Also f\u00fcr mich ist es auch nichts Besonderes. Also wenn mich da, wenn ich da was Faszinierendes finde, bin ich da auch sofort dabei, aber es ist eben ein ganz, ganz geringer Ausschnitt dieser Gesellschaft und die Einschaltquoten sind ja gemessen und ich glaube nicht, dass ein \u201eich hebe das Theater in ein Bewegtbild Format\u201c, so wie wir das jetzt hier produzieren, ich glaube nicht, dass es funktionieren w\u00fcrde. Ich glaube nicht, dass wir so viel Resonanz dort finden, dass es tr\u00e4gt, dass wir \u2026 Ja, das ist so traurig so traurig es ist, aber ich glaube nicht, dass es funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> W\u00fcrde es bei Facebook klappen oder ist das unabh\u00e4ngig vom Absender sozusagen und von der Plattform?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Na gut, vielleicht mit einer sozial medialen Verschr\u00e4nkung k\u00f6nnte ich mir sogar noch vorstellen, dass man vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit generieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das hei\u00dft, man m\u00fcsste f\u00fcr solche digitalen Konzepte nicht einfach nur etwas anbieten, sondern ganz neue Konzepte konzipieren, etwas Neues schaffen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Gute Frage. Wei\u00df ich nicht. Also du merkst ja, dass wir von der Forschung her auch keine wirklichen Antworten haben und sagen k\u00f6nnen Rezept 1 &#8211; du machst jetzt das, du nimmst jetzt das und du nimmst das, mischst das zusammen und es funktioniert und du wirst viele Zuschauer haben. Mein Paradebeispiel ist das Neujahrskonzert der Wiener Symphoniker. Das hat 50 Jahre gebraucht um heute eine Einschaltquote weltweit mit 80 L\u00e4ndern oder was, keine Ahnung, zu haben und mit einem gro\u00dfen Millionenpublikum. Ich glaube, dass \u00e4hnlich wie im Bildungsbereich, das was online funktioniert ist dann wirklich nur die Spitze, ist nur diese Spitze des Kulturbetriebs, aber nicht die Breite, also nicht die Basis. Das ist genauso, mein Job kann ja \u00fcberfl\u00fcssig werden &#8211; er wird nat\u00fcrlich nicht \u00fcberfl\u00fcssig, weil es die pers\u00f6nliche Betreuung braucht, aber mein Job wird im Grunde online \u00fcberfl\u00fcssig, weil alle meine Studierenden und alle meine Studentinnen und Studenten k\u00f6nnten ja zum Harvard-Professor gehen und dort ihre Vorlesung h\u00f6ren online und alles ist gut und genau so ist es ja auch im Kulturbetrieb, auch da ist es eben einfach m\u00f6glich. Ich glaube, dass wir ganz viele kreative Auseinandersetzungen brauchen und dass wir als Gesellschaft einen Diskurs auch wieder dar\u00fcber brauchen, so wie Ende der 1960er Jahre, wo wir das schon mal hatten, wo wirklich ganz klar herausgearbeitet worden ist, dass die Gesellschaft eine kulturelle Identit\u00e4t braucht. Und wir haben die letzten 40 Jahre gut dazu nutzen k\u00f6nnen diese kulturelle Identit\u00e4t zu erlangen und Kultur in einer Breite aufzubauen und zu unterst\u00fctzen, die einzigartig ist und ich glaube das Risiko, das zu verlieren, gerade jetzt auch mit einem starken Populismus von der rechten Seite, das Risiko, das zu verlieren ist \u2026 Die Nazis waren auch schon Bilderst\u00fcrmer und \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> B\u00fccherverbrenner.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ja. Komponisten, Zerst\u00f6rer. Wir kommen noch mal zur\u00fcck auf Salzgitter. F\u00fcr mich ist Salzgitter ein klassischer Industriestandort, ist es geblieben, Gott sei Dank. Ist ja auch wichtig f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze und es ist halt, das hatten wir schon, weniger bekannt als Hochschulstandort. Welche konkrete Auswirkung hat eine so gro\u00dfe Hochschule, mit einem doch gro\u00dfen Bereich in Salzgitter, auf die Stadt? L\u00e4sst sich das messen, l\u00e4sst sich das darstellen, gibt es studentisches Leben in Salzgitter?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ich muss noch einen kurzen Nachtrag bringen. Also Entschuldigung Rolf und Reza, ich habe n\u00e4mlich Thiede und Steterburg vergessen, also Stift-Steterburg sollten wir auf jeden Fall noch mit in die Liste, in die Liste aufnehmen. Also das vielleicht noch zu den Dingen, die man gesehen, die man gesehen haben muss. Au\u00dferdem hat Thiede das sch\u00f6nste Neubaugebiet glaube ich auch von Salzgitter. Die Verbindung dieser Hochschule zur Stadt ist glaube ich eine bislang durchaus problematische. Ich habe den Oberb\u00fcrgermeister der Stadt bislang noch nicht auf den Absolventenfeiern gesehen und ich bin jetzt auch schon zehn Jahre da. Frage ich mich: geht sowas, wenn man eigentlich eine Kombination oder eine gute Kombination von Hochschule und Stadt haben m\u00f6chte. Salzgitter ist ein Hochschulstandort und wir sind bekannt inzwischen. Also die Institutionen in Salzgitter kennen uns und sch\u00e4tzen uns auch und sch\u00e4tzen auch die Verbindung. Ich glaube aber, dass an vielen Stellen in Salzgitter noch nicht ganz angekommen ist, wie so eine Hochschule funktioniert und was sie \u2026 Es gibt Projekte auch zum Beispiel gerade, wir haben ja Stadt und Regionalmanagement als Studiengang und dort gibt es seit vielen, vielen Jahren ganz viele Projekte auch direkt in der Stadt und f\u00fcr die Stadt und Salzgitter ist durchaus auch als Forschungs-, als Forschungsobjekt nicht uninteressant. Ein guter Freund von mir der an der Humboldt-Universit\u00e4t in Berlin lehrt hat auch ein gro\u00dfes Projekt gemacht, ich glaube sogar mit DFG-Unterst\u00fctzung, wo sie eben auch ganz bewusst Salzgitter gew\u00e4hlt haben aufgrund der Bev\u00f6lkerungsstruktur, weil man da eben bestimmte Dinge sehr gut pr\u00fcfen, untersuchen, in dem Falle mit qualitativer Forschung unterlegen kann. Ist auch ein ganz spannendes Projekt gewesen. Also ja, es gibt Verbindungen, aber ich glaube da ginge sicherlich noch mehr, einfach in der gegenseitigen Wahrnehmung. Man muss ja dazu sagen, diese Hochschule ist an einem Standort der mitten im Wald liegt, das ist die alte Gruben Anlage, hannoversche Treue. Man k\u00f6nnte auch sagen Grube Hermann G\u00f6ring &#8211; wahrscheinlich hat der alte Hermann sie noch eingeweiht und die Akazien vorne in der Einfahrt sind f\u00fcr ihn noch gepflanzt worden. 38 er\u00f6ffnet worden. Der gleiche Architekt \u00fcbrigens wie Tempelhof, das gleiche B\u00fcro wie Tempelhof. Also auch durchaus architektonisch interessant. Es gibt dort eine Verzapfung. Also wer sich f\u00fcr Innenarchitektur interessiert, herzlich willkommen, kriegt auch eine pers\u00f6nliche F\u00fchrung von mir, gerne vorher Bescheid sagen. Also es gibt da so eine Verzapfungsarchitektur, die gibt&#8217;s nur in Salzgitter, aus H\u00f6lzern, die in den Raum ragen und dann ist dort noch mal eine Konstruktion so als Hut oben draufgesetzt, sehr schick gemacht. In dieser Lohnhalle, also der Lohnhalle der Grube gabs fr\u00fcher auch Konzerte, gibt es heute auch nicht mehr, gab einen Kulturverein, die die organisiert haben. K\u00f6nnte ich mir auch vorstellen, ob man sowas vielleicht auch mal wiederbeleben kann, dass man einfach auch noch mehr Leben in so eine Hochschule bringt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Du bist ja auch Pr\u00e4sident Vorsitzender des Marketing Clubs Braunschweig. Wie kann man in diesem Bereich kulturelle Angebote f\u00f6rdern? Welche Schnittpunkte gibt es sozusagen zwischen dem Marketing Club der ja nun viele Unternehmen, viele Bereiche pr\u00e4sentiert, repr\u00e4sentiert und den kulturellen Angeboten in der Region Braunschweig, in der Stadt Braunschweig, nat\u00fcrlich auch in Salzgitter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> F\u00fcr mich ist Marketing, ich bin ja auch kein typischer BWL Marketer. F\u00fcr mich ist Marketing eine sehr breite Disziplin und ich find das toll, was f\u00fcr einen riesen Bogen wir hier in dieser Sendung schlagen d\u00fcrfen, weil Kulturmarketing ist ja genau das mit dem wir angefangen haben im Grunde unser Gespr\u00e4ch zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Das war auch meine vorletzte Frage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Hach, guck an, siehste, dann schlagen wir einen wunderbaren \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Der Bogen muss immer da sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Also vielen Dank daf\u00fcr, vielen Dank f\u00fcr die F\u00fchrung. Also sch\u00f6n, dass wir diesen gro\u00dfen Bogen schlagen durften. Ich glaube, dass der Kulturbereich und der Marketing-Club sehr, sehr gut harmonieren k\u00f6nnen miteinander. Wir haben auch ganz viele Kultureinrichtung auch schon besucht, uns auch angeguckt was die so machen und wie die Kulturpoli-, wie die Kommunikationspolitik dort aussieht, wie strategische Kommunikation dort aussieht. Und wir sind im Unterschied zu anderen Marketingclubs sehr, sehr stark Agentur getrieben. Das hei\u00dft, wir haben sehr, sehr viele kreative auch bei uns, die sich da nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Kulturbetrieb durchaus engagieren und gro\u00dfes Interesse zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller<\/strong>: Und jetzt meine letzte Frage, war ja schon angek\u00fcndigt. Ich beginne einen Satz und du beendest ihn dann. Salzgitter ist eine lebenswerte Stadt, weil \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 Ich dort wohne. Salzgitter ist eine lebenswerte Stadt, weil sie so abwechslungsreich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Und gleich hinter an: Braunschweig ist eine lebenswerte Stadt, weil \u2026 Jetzt sag nicht, weil du dort nicht wohnst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 Weil Salzgitter so nah ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Sehr sch\u00f6n. In Salzgitter fehlt mir besonders \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 Dynamik und Gestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Jetzt fasse ich es etwas weiter: Die Menschen des Braunschweiger Landes, was auch immer das sein mag, wir haben die Region Braunschweig \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Ist historisch ja durchaus definiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Nur das Herzogtum. Genau, das w\u00fcrde tats\u00e4chlich dann dazu passen. Die Menschen des Braunschweiger Landes sind Kunst- und Kulturbegeistert und das zeigt sich an \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Sind sie das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Vielleicht lassen wir das einfach mal so stehen. Wenn eine gute Fee k\u00e4me und mir j\u00e4hrlich eine Million schenken w\u00fcrde, j\u00e4hrlich, w\u00fcrde ich im kulturellen Bereich folgendes finanzieren \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 Kulturelle Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Kulturelle Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Kulturelle Bildung, und zwar nicht im Kinderbereich, sondern im postpubert\u00e4ren Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Sehr gut. Das absolute Kunst- und Kultur-Highlight im Braunschweiger Land, ob\u2018s Wolfsburg, Wolfenb\u00fcttel, Salzgitter oder Braunschweig ist, vielleicht sogar Goslar. Das absolute Kunst- und Kultur-Highlight im Braunschweiger Land ist oder sind \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> \u2026 Die Ausstellung im Wolfsburger Kunstmuseum.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Ich w\u00fcrde G\u00e4sten, die mich in Braunschweig oder in Salzgitter besuchen, besonders empfehlen &#8230; zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Herzog-Anton-Ulrich-Museum. Beispiel hatten wir, Hardy Gundlach musste dorthin, der hatte gar keine Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Was gibt es noch Au\u00dfergew\u00f6hnliches, vielleicht auch im Bereich Architektur, Baudenkm\u00e4ler, im Braunschweiger Land zu entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Das Rathaus in Lebenstedt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> Warum?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harald Rau:<\/strong> Weil es in seiner Architektur f\u00fcr eine Zeit steht, die wir manchmal gerne weg ignorieren w\u00fcrden, weil in dieser Zeit endlich mit den Nazis aufger\u00e4umt worden ist in diesem Land und weil wir in dieser Zeit einen ganz geradlinigen Diskurs gef\u00fchrt haben und ich mir den manchmal heute auch noch w\u00fcnschen w\u00fcrde, durchaus mit der Emotionalit\u00e4t und f\u00fcr diese Geradlinigkeit steht das Lebenstedter Rathaus wie eine Ikone f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sven-David M\u00fcller:<\/strong> F\u00fcr dieses Abschlusswort danke ich dir, Harald, ganz herzlich, weil das schlie\u00dft wirklich unser Gespr\u00e4ch rund ab und zeigt ganz deutlich deine Geisteshaltung. Ich danke dir noch mal f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Das war der Kultur Talk. Wir sehen uns in einer der n\u00e4chsten Sendungen wieder, darauf freue ich mich. Tsch\u00fcss und auf Wiedersehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kultur Talk #6 mit Prof. Dr. habil. Harald Rau In der sechsten Folge des Kultur Talk sprechen Talkmaster PhDr. Sven-David M\u00fcller und Prof. Dr. Harald Rau. Gemeinsam talken die beiden zu Fragen wie: Warum ist Kommunikation f\u00fcr Kultur wichtig? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich zur Kulturkommunikation formulieren? Wo in der Region kann man Kultur erleben? 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