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Im Dia­log mit der Ver­gan­gen­heit – der Öffent­lich­keits­be­griff. Autorin: Chris­ti­na Wicke.

Im Dia­log mit der Ver­gan­gen­heit – der Öffent­lich­keits­be­griff. Autorin: Chris­ti­na Wicke.

Das drit­te von ins­ge­samt vier Essays, die sich damit aus­ein­an­der­set­zen, wie die Zukunft von Mas­sen­me­di­en und Sozia­len Medi­en auch poli­tisch ver­ant­wort­lich gestal­tet wer­den kön­nen. Chris­ti­na Wicke nimmt den vor allem durch die Tech­no­lo­gie stark beschleu­nig­ten Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit in den Blick. Hier­für lädt sie die Lese­rin­nen und Leser ein, eine kom­ple­xe The­ma­tik tie­fer zu durch­drin­gen. His­to­ri­sche Brü­cken­schlä­ge und eine fei­ne Meta­pho­rik run­den ihre Argu­men­ta­ti­on ab und geben Ori­en­tie­rung in einer von Unge­wiss­heit gepräg­ten Lage:

Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit – Chan­ce oder Kri­se für die Demokratie?

Öffent­lich­keit gilt als die Wie­ge unse­rer Demo­kra­tie – und sie geht uns ver­lo­ren. So könn­te man zumin­dest aktu­ell pes­si­mis­tisch argu­men­tie­ren. Ob es wirk­lich so weit kommt ver­mag zum aktu­el­len Zeit­punkt wohl nie­mand zu sagen, sicher ist jedoch, dass sich die Öffent­lich­keit ver­än­dert. Schon Anfang der 1960er Jah­re hat Jür­gen Haber­mas einen ers­ten Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit beschrie­ben, nun spre­chen Wis­sen­schaft­ler von einem erneu­ten Wandel. 

Auf den ers­ten Blick könn­te man mei­nen, die Digi­ta­li­sie­rung und die damit ver­bun­de­nen neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten hät­ten die Welt zu einer bes­se­ren gemacht – jeder kann sagen was er will, wann er will und wo er will. Nicht weni­ge Wis­sen­schaft­ler bekla­gen jedoch eine dar­aus resul­tie­ren­de Frag­men­tie­rung der Öffent­lich­keit und ein schie­res Über­an­ge­bot an Informationen.

Zu beob­ach­ten ist dies auch an der aktu­el­len Coro­na-Pan­de­mie – die Mei­nun­gen über die Kri­sen­po­li­tik der Regie­rung gehen stark aus­ein­an­der und wer­den eben­so stark im Netz dis­ku­tiert – mit teil­wei­se direk­ten Aus­wir­kun­gen auf anste­hen­de Ent­schei­dun­gen. Sel­ten hat jedoch ein The­ma die Ansich­ten in der Bun­des­re­pu­blik so sehr gespal­ten wie die Coro­na-Poli­tik. Die Fra­ge, die sich vor die­sem Hin­ter­grund stellt, ist nun also, ob ein erneu­ter Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit Chan­cen für eine demo­kra­ti­sche­re Form von Öffent­lich­keit bie­tet – oder ob er die Demo­kra­tie in die Kri­se stürzt.

Demo­kra­tie und Öffentlichkeit

Auch – oder gera­de – bei der Betrach­tung aktu­el­ler Pro­blem­stel­lun­gen kann es sinn­haft sein einen Blick in die Ver­gan­gen­heit zu wer­fen. Denn im demo­kra­ti­schen Pro­zess spielt Öffent­lich­keit schon immer eine wich­ti­ge Rol­le. Man kommt nicht umhin sie als Bedin­gung der Demo­kra­tie zu bezeich­nen – denn nicht zuletzt war sie die zen­tra­le For­de­rung der Auf­klä­rung gegen­über der Staats­ge­walt und wird bis heu­te als Schlüs­sel­ter­mi­nus der moder­nen Staats, Staats­rechts und Gesell­schafts­theo­rie ange­se­hen (Imhof, 2003). Schon Jere­my Bent­ham bezeich­net Öffent­lich­keit als das uni­ver­sa­le Mit­tel gegen Macht­miss­brauch, das eine Regie­rung dazu zwin­gen kön­ne, sich zu recht­fer­ti­gen (Spli­chal, 2017).

Sicher­lich war der Öffent­lich­keits­be­griff im Lau­fe der Zeit einem gewis­sen Wan­del unter­wor­fen, Öffent­lich­keit und Demo­kra­tie zie­hen sich jedoch untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den durch die Zeit­ge­schich­te (vgl ebd.).

Die­sen Wan­del sicher­lich am pro­mi­nen­tes­ten beschrie­ben hat Jür­gen Haber­mas (Haber­mas, 1990, 1962) – und auch wenn sein Ver­ständ­nis von Öffent­lich­keit in der Rea­li­tät wohl schwer­lich umzu­set­zen ist (und er dafür über die Jah­re berech­tig­te Kri­tik ein­ste­cken muss­te), so ist es doch sinn­voll, für die Betrach­tung gera­de genann­ter Fra­ge­stel­lung den Haber­ma­schen Öffent­lich­keits­be­griff als erstre­bens­wer­tes Ide­al anzu­se­hen. Denn trotz der Tat­sa­che, dass Haber­mas sei­ne Gedan­ken vor fast 60 Jah­ren nie­der­ge­schrie­ben hat, sind sie noch immer fast zeit­los aktu­ell (Deutsch­land­funk Kul­tur, 2019; SRF, 2012). Vor dem Hin­ter­grund der Digi­ta­li­sie­rung und den damit ver­bun­de­nen neu­en Mög­lich­kei­ten stellt sich zur Zeit viel­mehr die Fra­ge, ob wir dem öffent­li­chen Dis­kurs wie Haber­mas ihn begreift nicht näher sind, als wir es je zuvor waren – denn nicht weni­ge Autoren bezeich­nen Social Media Ange­bo­te als die Kaf­fee­häu­ser der digi­ta­len Ära (Krü­ger, 2019; Wei­chert, 2011).

Mit dem Haber­ma­schen‘ Öffent­lich­keits­be­griff muss auto­ma­tisch auch die Vor­stel­lung von Plu­ra­li­tät und einem deli­be­ra­ti­ven Kon­zept von Demo­kra­tie ein­her­ge­hen (Goe­rtz, 2015, S. 22). Vor der aktu­el­len Legi­ti­ma­ti­ons­kri­se der Poli­tik (Wall­ner, 2018, S. 56) eine sicher­lich nicht unbe­rech­tig­te Vor­stel­lung – als ganz­heit­li­ches Kon­zept in der Rea­li­tät jedoch genau­so schwer umzu­set­zen, wie Haber­mas Ide­al von Öffent­lich­keit selbst. Er selbst räumt ein, dass deli­be­ra­ti­ve Model­le in klei­ne­ren Krei­sen nach­weis­bar pro­duk­ti­ve Erträ­ge brin­gen, für so gro­ße Sys­te­me wie eine Bun­des­re­pu­blik jedoch völ­lig unge­eig­net sind (Haber­mas, 2006). Nun könn­te man die Vor­stel­lung einer deli­be­ra­ti­ven Demo­kra­tie­form schnell als Uto­pie abtun – oder sich die Fra­ge stel­len, wel­chen Bei­trag das digi­ta­le Zeit­al­ter für eine demo­kra­ti­sche­re Zukunft leis­ten kann. Dafür müs­sen die fol­gen­den Aspek­te betrach­tet werden:

- kön­nen sozia­le Netz­wer­ke die Funk­ti­on von öffent­li­chen Räu­men erfüllen?

- wel­chen Bei­trag zu einer demo­kra­ti­sche­ren Gemein­schaft kann Par­ti­zi­pa­ti­on leisten?

- wie kann eine funk­tio­nie­ren­de Exis­tenz des Medi­en­sys­tems gesi­chert werden?

Das Inter­net als dis­kur­si­ver Raum

Vie­le kri­ti­sche Theo­re­ti­ker (ein­schließ­lich Haber­mas selbst) sind der Mei­nung, das Inter­net kön­ne (noch) nicht als öffent­li­cher Raum gewer­tet wer­den (Deutsch­land­funk Kul­tur, 2019; Haber­mas, 2006; SRF, 2012). Folgt man der Argu­men­ta­ti­on Haber­mas‘, dass Öffent­lich­keit dort ent­steht, wo mün­di­ge Bür­ger mit­ein­an­der dis­ku­tie­ren und öffent­li­che Grün­de aus­tau­schen, dann haben sie ver­mut­lich Recht. Vie­les, was im Netz geschieht hat wenig bis gar nichts mit dem Aus­tausch von Grün­den zu tun – zumin­dest nicht mit dem Aus­tausch öffent­li­cher Gründe.

Natür­lich kann auch man argu­men­tie­ren, dass auf Platt­for­men wie Insta­gram ledig­lich Bil­der aus­ge­tauscht wer­den und kei­ne Argu­men­te oder ein Tweet mit sei­nen 280 Zei­chen Platz kei­nen Raum für „ech­te“ Grün­de bie­tet (Deutsch­land­funk Kul­tur, 2019). Doch die­se Sicht wird der Sach­la­ge nicht ganz gerecht.

Wie anders wäre es zu erklä­ren, dass ein blau­haa­ri­ger jun­ger Mann eine gan­ze Par­tei mit nur einem Video in Erklä­rungs­nö­te brin­gen kann und auch eta­blier­te Talk­run­den dazu bringt, sich mit sei­nen in einem You­tube-Video ver­öf­fent­lich­ten The­sen zu befas­sen (Bre­her, 2021; Dell, 2019; N‑tv Nach­rich­ten, 2019)?

Ein ähn­li­ches Bei­spiel gibt es auch aus jüngs­ter Zeit, wenn auch weni­ger medi­en­wirk­sam: Die Sat.1‑Moderatorin Mar­le­ne Lufen bekam von ihrem Sen­der eine Son­der­sen­dung zum Coro­na-Lock­down, nach­dem ein pri­va­tes Video zu die­sem The­ma auf ihrem Insta­gram-Kanal fast 11 Mil­lio­nen mal ange­schaut wor­den war (Mati­so­witsch, 2021). Zusätz­lich ent­stand auch auf Twit­ter eine Dis­kus­si­on über ihr Video (Twit­ter, 2021) – zwar mit einer begrenz­ten Anzahl von Zei­chen, jedoch – zumin­dest in mei­nen Augen – ein Aus­tausch von Argumenten.

Selbst­ver­ständ­lich kann man nicht davon aus­ge­hen, dass ein sol­cher Aus­tausch der Regel­fall ist und Nut­zer durch ihren Aus­tausch zum Gemein­wohl bei­tra­gen. In den genann­ten Fäl­len müs­sen jedoch wohl auch die kri­tisch­ten aller Theo­re­ti­ker aner­ken­nen, dass sich um die unkon­trol­lier­ten State­ments (Deutsch­land­funk Kul­tur, 2019), die die­se Vide­os ursprüng­lich waren, eine Dis­kus­si­on ent­spon­nen hat, die sich sowohl zwi­schen Inter­net­nut­zern, aber auch im Dis­kurs der klas­si­schen Medi­en abge­spielt hat. Auch Hash­tags wie #metoo oder #black­live­s­mat­ter haben Bewe­gun­gen mit einer welt­wei­ten Rele­vanz her­vor­ge­bracht – und sie begren­zen sich ledig­lich auf einen Hashtag.

Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang auch die Ent­wick­lung neu­er Mög­lich­kei­ten wie zuletzt der App Club­house, deren Prin­zip einer digi­ta­len Podi­ums­dis­kus­si­on gleicht – aktu­ell wahr­schein­lich die digi­ta­le Form, die einem Aus­tausch von Grün­den im Ver­ständ­nis der kri­ti­schen Theo­rie am nächs­ten kommt. Denn noch gibt es für die Akteu­re dort kei­ne Mög­lich­keit Inhal­te zu mone­ta­ri­sie­ren – die App ist jedoch auch nur für einen aus­ge­wähl­ten Kreis an Zuhö­rern zugäng­lich (Wolcken­haar, 2021).

Die­se Bei­spie­le bedeu­ten nicht, dass jede Kom­mu­ni­ka­ti­on im Inter­net – sofern man denn in man­chen Fäl­len über­haupt davon spre­chen kann – auch gleich der Aus­tausch von Argu­men­ten sein muss, jedoch kön­nen auch im Netz Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räu­me ent­ste­hen, in denen ansatz­wei­se eine Art Dis­kurs ent­ste­hen kann (SRF, 2012) (die Beto­nung liegt hier jedoch aus­drück­lich auf kann). Man könn­te sol­che Räu­me im Netz als „vor­po­li­tisch“ (Wall­ner, 2018, S. 58) bezeich­nen, die die „authentische[n] Reprä­sen­tanz von Bür­ger­wil­len“ ermög­li­chen (Vgl. ebd.).

Par­ti­zi­pa­ti­on

Argu­men­tiert man ent­spre­chend wei­ter, müss­te die Fra­ge eigent­lich nicht mehr lau­ten, wel­che Chan­cen ein erneu­ter Struk­tur­wan­del der Öffent­lich­keit (Bros­da, 2013; Stark & Magin, 2019, S. 379) bringt, son­dern eher, wie wir sie nut­zen kön­nen. Aber auch das wäre zu kurz gegriffen.

Opti­mis­ten wür­den wohl sagen, die Digi­ta­li­sie­rung brin­ge ganz neue For­men von Teil­ha­be mit sich und schaf­fe eine nie dage­we­se­ne demo­kra­ti­sche Form – eben dem Haber­ma­schen Ide­al sehr nahe. Denn die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: gerin­ge Ein­tritts­bar­rie­ren, schnel­le Rück­ka­nä­le, Inter­ak­ti­on mit Poli­ti­kern, die sonst uner­reich­bar wären…Jeder kann sei­ne Mei­nung äußern und so zum poli­ti­schen Pro­zess beitragen. 

Auf den ers­ten Blick mag dies wie die Lösung all unse­rer Pro­ble­me klin­gen, ist an die­ser Stel­le aber lei­der zu kurz gegrif­fen. Denn es müs­sen auch die Risi­ken betrach­tet – und sich damit ver­bun­den die Fra­ge gestellt wer­den, ob nicht der durch die­se Mög­lich­kei­ten ent­ste­hen­de Infor­ma­ti­ons­über­fluss für die Demo­kra­tie eher abträg­lich ist (Bros­da & Schulz, 2020). Denn es besteht die Gefahr, dass sich der von Haber­mas erhoff­te Plu­ra­lis­mus in Frag­men­tie­rung wan­delt. Manch einer geht sogar so weit zu sagen, es sei schon zu spät, die Öffent­lich­keit als Spie­gel der Demo­kra­tie sei zer­bro­chen (Deutsch­land­funk Nova, 2020).

Par­ti­zi­pa­ti­on kann (und auch hier liegt die Beto­nung wie­der aus­drück­lich auf kann) einen Bei­trag zu einer demo­kra­ti­sche­ren Gesell­schaft leis­ten, wenn wir ler­nen, sie rich­tig zu nut­zen. Wenn wir rich­tig damit umge­hen, eröff­nen sich neue Per­spek­ti­ven für die Zukunft, die tat­säch­lich zu einer demo­kra­ti­sche­ren Gesell­schaft füh­ren könn­ten (Bros­da, 2013). So könn­te die Betei­li­gung von Bür­gern als Gegen­pol zu ver­mach­te­ten und öko­no­mi­sier­ten Medi­en gese­hen wer­den – und bil­det einen Raum für freie Dis­kus­si­on, in der durch den zwang­lo­sen Zwang des bes­se­ren Argu­ments die best­mög­li­chen Ent­schei­dun­gen gefun­den wer­den kön­nen (Krü­ger, 2019). Vor­aus­ge­setzt man unter­stellt den betei­lig­ten Akteu­ren im Inter­es­se des Gemein­wohls und nicht in ihrem pri­va­ten Inter­es­se zu argu­men­tie­ren. Denn auch wenn sich im Netz bereits ähn­li­che Mus­ter zei­gen wie in der rea­len Gesell­schaft, bei­spiels­wei­se dass eini­ge Nut­zer ihre Mei­nung wirk­mäch­ti­ger äußern als ande­re (Kut­scher, 2016) oder sich erfah­rungs­ge­mäß nur die­je­ni­gen poli­tisch betei­li­gen, die sich auch außer­halb digi­ta­ler Mög­lich­kei­ten bereits poli­tisch enga­giert haben (DJI/​ TU Dort­mund, 2011), zei­gen sich auch immer wie­der Bei­spie­le von Gegen­öf­fent­lich­kei­ten (Fili­po­vic, 2019), die im Netz ent­stan­den sind und die Poli­tik erheb­lich unter Druck set­zen (Wall­ner, 2018, S. 72).

Die Öko­no­mi­sie­rung der Medienlandschaft

Vor­aus­set­zung dafür, dass Bür­ger im Netz durch den Aus­tausch von Argu­men­ten über­haupt einen Bei­trag zur Demo­kra­tie leis­ten kön­nen, sind jedoch Rah­men­be­din­gun­gen, die einen aus­ge­gli­che­nen Dis­kurs sichern. Die­se müs­sen geschaf­fen wer­den. Denn eine kri­ti­sche Öffent­lich­keit kann nicht funk­tio­nie­ren, wenn den Bür­gern nur ein­sei­ti­ge Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen – oder ein Algo­rith­mus ent­schei­det, wel­che Infor­ma­tio­nen ange­zeigt wer­den (Lobe, 2018).

In einer idea­len Vor­stel­lung dis­kur­si­ver Öffent­lich­keit haben mün­di­ge Bür­ger die Chan­ce mit­ein­an­der zu dis­ku­tie­ren und öffent­li­che Argu­men­te aus­zu­tau­schen – dies setzt jedoch vor­aus, dass alle Bür­ger die glei­che Infor­ma­ti­ons­grund­la­ge besit­zen, um sich eine Mei­nung zu bil­den. Die­se zu schaf­fen ist neben ihrer Kon­troll­funk­ti­on eigent­lich Auf­ga­be der Mas­sen­me­di­en (Jar­ren, 2008; Pötzsch, 2009; Spli­chal, 2017). Wie gut oder schlecht sie die­ser Auf­ga­be über die letz­ten Jah­re nach­ge­kom­men sind mag an die­ser Stel­le ein­mal dahin­ge­stellt bleiben.

Noch vor eini­gen Jah­ren wur­de der öffent­li­che Dis­kurs jedoch klar durch die klas­si­schen Medi­en und damit durch den Jour­na­lis­mus bestimmt (Bros­da, 2013). Dies ist heut­zu­ta­ge nicht mehr der Fall, das digi­ta­le Netz schluckt und inte­griert gleich­zei­tig alle bestehen­den Medi­en­for­ma­te – sowohl Fern­se­hen, Radio als auch Zei­tun­gen (Bros­da, 2013; Wei­chert, 2011). Plu­ra­li­tät und Unab­hän­gig­keit kön­nen schon seit Jah­ren nicht mehr als Maß­stä­be unse­res Medi­en­sys­tems ange­se­hen werden.

Zur Ursa­chen­for­schung lohnt sich auch hier wie­der ein Blick in die Ver­gan­gen­heit: Denn wäh­rend Kant und Bent­ham die Öffent­lich­keit noch als das Mit­tel gegen den Miss­brauch von Macht ansa­hen, erkann­ten Kri­ti­ker wie Karl Marx, Fer­di­nand Tön­nies oder Karl Bücher, dass auch die Pres­se nicht frei von hege­mo­nia­len Ein­flüs­sen ist (Spli­chal, 2017). Eine unab­hän­gi­ge Bericht­erstat­tung vor dem Hin­ter­grund pri­vat­wirt­schaft­li­cher Inter­es­sen erscheint nahe­zu unmög­lich – und die Digi­ta­li­sie­rung ver­stärkt die­sen Effekt noch. Das liegt zum einen dar­an, dass es kein hin­rei­chen­des Geschäfts­mo­dell mehr für Qua­li­täts­me­di­en gibt (Beck, 2018, S. 400), zum ande­ren an der Markt­macht ein­zel­ner Akteu­re (Faul­ha­ber, 2019).

Die aktu­el­le Zei­tungs­kri­se macht das Dilem­ma beson­ders deut­lich: durch den Auf­schwung digi­ta­ler Ange­bo­te ver­lie­ren die eta­blier­ten Medi­en ihre Finan­zie­rungs­grund­la­ge – Reich­wei­ten und Auf­la­gen sin­ken. Im Jahr 2020 wur­den rund 14% weni­ger Publi­kums­zeit­schrif­ten ver­kauft als noch zwei Jah­re zuvor (Vogel, 2020), bekann­te Tages­zei­tun­gen wie die Süd­deut­sche Zei­tung, die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne oder auch die Bild Zei­tung ver­lie­ren ste­tig an Auf­la­ge (Schrö­der, 2020). Das bringt Medi­en­häu­ser in Bedräng­nis, die Kon­se­quenz sind Stel­len­strei­chun­gen, zusam­men­ge­leg­te Redak­tio­nen und „Ein­zei­tungs­krei­se“ (Beck, 2018). Plu­ra­li­tät und Mei­nungs­viel­falt? Fehl­an­zei­ge. Hin­zu kommt die enor­me Markt­macht ein­zel­ner Akteu­re: Netz­gi­gan­ten wie Face­book und Goog­le bestim­men die Spiel­re­geln am Markt, nicht weni­ge Medi­en­un­ter­neh­men haben kei­ne ande­re Wahl, als sich in eine völ­li­ge Abhän­gig­keit zu bege­ben – denn der Algo­rith­mus bestimmt, wel­che Arti­kel die Leser ange­zeigt bekom­men (Faul­ha­ber, 2019).

Hoff­nungs­lo­se Opti­mis­ten wür­den jetzt argu­men­tie­ren, dass die Digi­ta­li­sie­rung genau an die­ser Stel­le Chan­cen der Par­ti­zi­pa­ti­on auch für klei­ne Redak­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen bie­tet – los­ge­löst von wirt­schaft­li­chen Ein­flüs­sen, in Regio­nen, in denen es kei­ne publi­zis­ti­schen Ein­hei­ten mehr gibt und auch The­men eine Stim­me gebend, über die sonst nie­mand berichtet.

Bis zu einem gewis­sen Grad mag das auch stim­men – um begrün­det dis­ku­tie­ren zu kön­nen, bräuch­te es jedoch eine gemein­sa­me Infor­ma­ti­ons­grund­la­ge – andern­falls ent­wi­ckelt sich die erhoff­te Plu­ra­li­tät in frag­men­tier­te Tei­löf­fent­lich­kei­ten und der Spie­gel der Öffent­lich­keit zerbricht.

Der Algo­rith­mus als Zer­stö­rer der Demokratie

Das Pro­blem der Inter­me­diä­re (oder wohl eher einer unab­hän­gi­gen demo­kra­ti­schen Mei­nungs­bil­dung) ist, dass die Geschäfts­mo­del­le von Face­book, Twit­ter & Co. rein wer­be­fi­nan­ziert sind und aus­schließ­lich der Pro­fit­ma­xi­mie­rung die­nen (Stark & Magin, 2019, S. 389). Rele­vanz wird nicht mehr anhand redak­tio­nel­ler Leit­wer­te und jour­na­lis­ti­scher Qua­li­täts­kri­te­ri­en gemes­sen, son­dern folgt der Logik des Algo­rith­mus (Stark & Magin, 2019, S. 377), die zum einen rela­tiv belie­big gestal­tet ist, zum ande­ren aber auch eine Art Black Box dar­stellt. Denn nur die Unter­neh­men selbst wis­sen, wie der Algo­rith­mus aus­wählt, was er aus­wählt (Lobe, 2018). Wäh­rend im Jour­na­lis­mus noch Nach­rich­ten­fak­to­ren als klas­si­sche Rele­vanz­be­grün­dung die­nen, bestimmt der Algo­rith­mus allein durch Popu­la­ri­tät beim Nut­zer (also ledig­lich durch einen ein­zi­gen Fak­tor!) über die Inhal­te des News­feed (Stark & Magin, 2019, S. 385). Dar­aus erge­ben sich mög­li­che Pro­ble­me für unse­re demo­kra­ti­sche Gesellschaft:

- Die Schwie­rig­keit des Ein­zel­nen, selbst­be­stimmt zu han­deln und sich zu infor­mie­ren und sich auf­grund des­sen eine umfas­sen­de Mei­nung zu bil­den (Mar­ti­ni, 2019)

- Statt­des­sen: Pola­ri­sie­rung von Mei­nun­gen und Frag­men­tie­rung von Öffentlichkeit

- Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Markt­me­cha­nis­mus durch schwer angreif­ba­re oli­go­po­lis­ti­sche Markt­struk­tu­ren (Mar­ti­ni, 2019)

Die­se Pro­ble­me kön­nen nicht allein durch Par­ti­zi­pa­ti­on gelöst wer­den, Öffent­lich­keit allein reicht nicht aus (Des Freed­man, 2017) – Par­ti­zi­pa­ti­on kann und muss jedoch ihren Teil dazu bei­tra­gen, das Fort­be­stehen einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft zu sichern.

Was pas­sie­ren muss

Von der „Ret­tung der Demo­kra­tie“ zu spre­chen, wäre an die­ser Stel­le viel­leicht doch etwas zu hoch gegrif­fen – die Demo­kra­tie kann jedoch in eine ernst­haf­te Kri­se gera­ten, wenn wir uns die­sen erneu­ten Struk­tur­wan­del nicht bewusst machen – und dar­auf reagie­ren. Nicht nur in der Wis­sen­schaft, son­dern vor allem in der Gesellschaft.

Öffent­lich­keit muss als Raum gesi­chert blei­ben, in der ein Dis­kurs mög­lich ist (nicht als Raum, in dem zwin­gend bei jeder Art von Kom­mu­ni­ka­ti­on auch ein Dis­kurs statt­fin­den muss, auch das wäre uto­pisch). Um eine sta­bi­le Basis der Demo­kra­tie zu gewähr­leis­ten, braucht es des­we­gen wei­te­re Regu­lie­run­gen. Denn nur wenn die­se Basis gewähr­leis­tet ist, kann auch Par­ti­zi­pa­ti­on im Netz einen Bei­trag zu einer deli­be­ra­ti­ve­ren Form von Demo­kra­tie leis­ten – und hel­fen der aktu­el­len Legi­ti­ma­ti­ons­kri­se entgegenzuwirken.

Dem Jour­na­lis­mus fällt hier­bei die Auf­ga­be zu, die zer­bro­che­nen Tei­le des Spie­gels zusam­men­zu­hal­ten, sodass wei­ter­hin ein kom­plet­tes Bild erkenn­bar ist. Denn die Digi­ta­li­sie­rung und die damit ver­bun­de­nen neue Medi­en­for­men machen den Jour­na­lis­mus nicht obso­let, er wird viel­mehr wich­ti­ger denn je. Sei­ne Auf­ga­be wird wei­ter­hin dar­in bestehen, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und ein­zu­ord­nen – er muss sich jedoch mit neu­en Öffent­lich­kei­ten ver­net­zen und zu einer dis­kur­si­ve­ren Art von Jour­na­lis­mus wer­den (Bros­da, 2013). Nur so kann er neu­en Öffent­lich­kei­ten gerecht wer­den. Ob dies wei­ter­hin in Form klas­si­scher Redak­tio­nen pas­sie­ren wird bleibt abzu­war­ten. Mög­li­cher­wei­se wer­den sich in die­ser Hin­sicht in Zukunft wei­te­re Model­le ent­wi­ckeln, über die wir heu­te nur spe­ku­lie­ren. Eine Stu­die von For­schern im Auf­trag der Lan­des­an­stalt für Medi­en in Düs­sel­dorf hat bei­spiels­wei­se gezeigt, dass Men­schen durch­aus bereit sind, Geld für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Jour­na­lis­mus zu bezah­len – jedoch eher als Abo-Modell, wie es bei­spiels­wei­se Anbie­ter wie Net­flix oder Spo­ti­fy ver­tre­ten – auch dar­aus könn­ten sich Zukunfts­for­men für den Jour­na­lis­mus ent­wi­ckeln (Well­b­rock & Buschow, 2020).

In eine ähn­li­che Rich­tung den­ken auch Gos­tom­zyk et al.: Sie schla­gen ein fast schon revo­lu­tio­nä­res Kon­zept vor: näm­lich eine Koope­ra­ti­on zwi­schen öffentlci­hen und pri­va­ten Rund­funk­sen­dern. Eine enge­re Zusam­men­ar­beit bei Film­pro­duk­ti­on und Recher­che wür­de den eine Men­ge Geld spa­ren, die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der könn­ten dann zu einer „unab­hän­gi­gen Digi­ta­l­agen­tur für Qua­li­täts­in­hal­te“ wer­den, indem sie in einer platt­form­ähn­li­chen Form auf ver­tie­fen­de oder wei­ter­füh­ren­de jour­na­lis­ti­sche Qua­li­täts­an­ge­bo­te der pri­va­ten Sen­der hin­wei­sen. Denn auf sich allein gestellt, sei kei­ne der bei­den Säu­len dau­er­haft in der Lage gegen Platt­form- und Strea­ming­an­bie­ter zu bestehen (Witt­rock, 2020).

Auch For­ma­te wie die App Buz­zard gewin­nen vor die­sem Hin­ter­grund der Pola­ri­sie­rung von Mei­nun­gen an Bedeu­tung: die App stellt bei­spiels­wei­se einen Nach­rich­ten­über­blick vom lin­ken bis rech­ten Spek­trum der deut­schen Medi­en­land­schaft zur Ver­fü­gung – so kön­nen sich Nut­zer einen umfas­sen­den Über­blick bil­den (Buz­zard, 2021).

Damit die Exis­tenz eines qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Jour­na­lis­mus jedoch wei­ter­hin gesi­chert blei­ben kann, muss der Staat sei­ne Auf­ga­be wahr­neh­men und unter­stüt­zend zum Bei­spiel in Form von Sub­sti­tu­tio­nen eingreifen.

Auch hier sei noch ein­mal der Blick in die Ver­gan­gen­heit erwähnt: Auch dies ist kein neu­er Vor­schlag – Fer­di­nand Tön­nies hat bereits im frü­hen 19. Jahr­hun­dert vor­ge­schla­gen, zur Siche­rung ihrer Unab­hän­gig­keit die Pres­se durch Sub­sti­tu­tio­nen zu unter­stüt­zen (Spli­chal, 2017). Mit die­ser Ansicht ist er nicht allein: aus ver­schie­dens­ten Län­dern im euro­päi­schen Raum kommt die For­de­rung nach direk­ten Sub­ven­tio­nen, um qua­li­ta­ti­ve Pres­se­ar­beit zu sichern (vgl. Künz­ler et Al. 2013). Auch Deutsch­land plant bereits, „die erfor­der­li­che digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Ver­lags­we­sens“ (Sterz & Bor­gers, 2020) mit bis zu 220 Mil­lio­nen Euro zu unter­stüt­zen. Das Geld soll über meh­re­re Jah­re ver­teilt an Ver­la­ge von Abon­ne­ment­zei­tun­gen aus­ge­zahlt wer­den, um bei­spiels­wei­se den Auf­bau von Online-Shops, Rubri­ken­por­ta­len oder Apps zu unter­stüt­zen. Dies ist sicher­lich ein ers­ter Schritt in eine gute Rich­tung, um die Exis­tenz von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus zu sichern wird er jedoch wohl nicht aus­rei­chen. An die­ser Stel­le sind auch Medi­en­un­ter­neh­men gefragt, neue Mög­lich­kei­ten für Bezahl­mo­del­le zu ent­wi­ckeln, denn ein guter, unab­hän­gi­ger Jour­na­lis­mus ist für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie unerlässlich.

Doch auch in Bezug auf inter­me­diä­re Platt­for­men wie Face­book, Insta­gram und Co. müs­sen wei­te­re Regu­lie­run­gen getrof­fen werden.

Auch wenn es vie­len von uns im All­tag wahr­schein­lich läs­tig erscheint: Der neue Medi­en­staats­ver­trag und auch die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung leis­ten mit ihrer Trans­pa­renz­norm in die­ser Hin­sicht schon einen wich­ti­gen Bei­trag, um Nut­zern eine eigen­ver­ant­wort­li­che­re Ent­schei­dung über die Ver­wen­dung ihrer Daten zu ermög­li­chen (Dogru­el et al., 2020).

Im Hin­blick auf Algo­rith­men und ihre bereits beschrie­be­ne Markt­macht muss in Sachen Trans­pa­renz jedoch noch deut­lich nach­ge­bes­sert wer­den. Denk­bar wären in die­se Rich­tung unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten – von noch mehr ver­pflich­ten­den Trans­pa­renz­hin­wei­sen auf Sei­ten der Platt­for­men („Du siehst sehr vie­le Bei­trä­ge zum The­ma xx, bist du dir des­sen bewusst?“) bis hin zu einer gesetz­lich ver­an­ker­ten Pflicht auf eine aus­ge­wo­ge­ne Dar­stel­lung. Inwie­weit ein sol­ches Gesetz jedoch tat­säch­lich umge­setzt wer­den könn­te, bleibt wohl mehr als fraglich.

Um sicher­zu­stel­len, dass die Öffent­lich­keit als dis­kur­si­ver Raum weder mit den Mit­teln der Staats­ge­walt erstickt wird, noch durch Pri­vat­in­ter­es­sen domi­niert wird (Imhof, 2010), müss­te außer­dem dar­über nach­ge­dacht wer­den, ein unab­hän­gi­ges Gre­mi­um ein­zu­rich­ten, das zwi­schen den unter­schied­li­chen Inter­es­sen vermittelt.

Um jedoch Bedin­gun­gen für eine nach­hal­ti­ge Demo­kra­tie zu schaf­fen – und dies ist in mei­nen Augen einer der wesent­lichs­ten und auch nach­hal­tigs­ten Punk­te – ist es uner­läss­lich, die Medi­en­kom­pe­tenz der Bür­ger zu för­dern. Dies kann unter ande­rem an Schu­len gesche­hen, muss es aller­dings nicht aus­schließ­lich – denn nicht nur die Schü­ler sind die­je­ni­gen, die sich in den neu­en Öffent­lich­kei­ten zurecht­fin­den müs­sen. Aus Bür­ger­sicht ist es leicht den Staat in die Pflicht zu neh­men, oder die Ver­ant­wor­tung an Platt­for­men und Medi­en­un­ter­neh­men abzu­ge­ben. Was dabei jedoch schnell ver­ges­sen wird, ist, dass wir als Gesell­schaft genau­so in der Pflicht sind, für eine demo­kra­ti­sche Struk­tur zu sor­gen – und das Gespräch mit­ein­an­der zu suchen. Vor dem Hin­ter­grund pola­ri­sie­ren­der Mei­nun­gen und einer zuneh­mend frag­men­tier­ten Öffent­lich­keit wird das immer schwe­rer – aber genau des­we­gen müs­sen wir dar­an arbei­ten. Nicht umsonst argu­men­tie­ren Phi­lo­so­phen wie Kant und Haber­mas mit dem Aus­tritt aus der selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit oder spre­chen von einer sich selbst auf­klä­ren­den Gesell­schaft. Und auch wenn ins­be­son­de­re Jür­gen Haber­mas oft vor­ge­wor­fen wur­de, er ver­wechs­le den Semi­nar­raum mit der Rea­li­tät – so bleibt sein Ide­al einer Öffent­lich­keit, in der der Aus­tausch von öffent­li­chen Argu­men­ten statt­fin­det, nicht ganz uto­pisch. Es kann jedoch nur statt­fin­den, wenn alle Berei­che inein­an­der­grei­fen: die Gesell­schaft, recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, unab­hän­gi­ge Insti­tu­tio­nen und ein funk­tio­nie­ren­der Aus­tausch mit Betei­li­gung der Bür­ger. Nur dann kann gewähr­leis­tet wer­den, dass die Öffent­lich­keit als Demo­kra­tie in nicht noch klei­ne­re Stü­cke zerbricht.

Über die Autorin

Chris­ti­na Wicke stu­diert Kom­mu­ni­ka­tions­man­age­ment und beweist in ihrem Essay ein Gefühl für Spra­che und Stil. Ihr Text ent­stand im Rah­men eines Semi­nars der Kom­Ma-Pro­fes­sur mit der Ziel­rich­tung, die Zukunft der Medi­en, die Zukunft des Me-dien­sys­tems in Deutsch­land aus­zu­lo­ten. Stu­die­ren­de des Mas­ter­stu­di­en­gangs Kom­mu­ni­ka­tions­man­age­ment argu­men­tie­ren im Ergeb­nis die­ses Semi­nars sorg­fäl­tig und stel­len fun­dier­te Über­le­gun­gen an: Wie kann ein öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk gestal­tet wer­den? Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, Medi­en­zu­kunft ange­sichts zuneh­men­der Ver­schie­bun­gen der Medi­en­nut­zung zu den­ken? Wel­che Rol­le spie­len Plattformen?

Und sie schrei­ben Essays – ein eher unge­wöhn­li­ches For­mat im Stu­di­um. Im Regel­fall wer­den eher wis­sen­schaft­li­che Haus­ar­bei­ten ver­fasst. Das Expe­ri­ment, die Autorin­nen und Autoren auf einen Essay zu ver­pflich­ten, ist erfolg­reich – und bringt erstaun­li­che Ergeb­nis­se, die hier geteilt wer­den. Vier Arbei­ten errei­chen im Rah­men der Begut­ach­tung eine 1 – und wer­den geteilt. Prä­di­kat: Lesenswert! 

Lite­ra­tur zum Essay

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