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Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter – ein Podcast von Linus Burkel und Finn Bodner

Lernen Sie kennen – Egon Erwin Kisch

Kisch erlebt Monarchie, Republik und Diktatur. Krieg, Flucht und Tod sind prägende Ereignisse in seinem Leben. Allem Leid begegnet er schreibend. Kisch schreibt einfühlsam, fesselnd und stets mit einer Prise Humor. Mit seinem Gefühl für Sprache und seinem Einsatz für die Wahrheit prägt er das Genre der Reportage bis heute.

KomMa beschäftigt sich 2018 im Rahmen eines Masterprojektes zum ersten Mal mit dem Prager Autor. Ausgehend von historischen Kontexten will die seitdem andauernde Auseinandersetzung mit Egon Erwin Kisch auch zukünftig aktuelle Fragen erörtern, die sich z.B. aus der Rückkehr von autoritärem Denken, aus neuen Formen von Hass und Gewalt und durch wachsenden Antisemitismus ergeben. Um an die genannten Debatten anzuknüpfen, wird die wissenschaftlich gestützte (Wieder-) Verfügbarmachung der Werke Egon Erwin Kischs in Form einer wissenschaftlich-kritischen Edition an der Professur vorangetrieben.

Im Wintersemester 2020/21 haben die Kommunikationsmanagement-Studierenden Finn Bodner und Linus Burkel im Rahmen des Seminars „Kommunikationspraxis“ einen relevanten Beitrag zum Kennenlernen von Person und Werk „Kisch“ geleistet. Ihre konzeptionell und technisch selbstständig erarbeitete Podcastepisode ist auf diesem Blog in voller Länge zu hören. Eine für alle lohnenswerte Beschäftigung.

 

     Bild: Egon Erwin Kisch.

Egon Erwin Kisch wird am 29. April 1885 in Prag geboren und stirbt dort am 31. März 1948. Er ist Journalist und Schriftsteller. Nach ihm wurde nicht nur der Egon-Erwin-Kisch-Preis* benannt, er gilt bis heute als der „Rasende Reporter“. Seine umfangreichen Schriften und Korrespondenzen dokumentieren jedoch, dass das „Rasende“ im Grunde nicht zu seinem Arbeitsprozess zählt – Kisch ist vielmehr akribischer und sorgfältiger „Konstrukteur“ eingängiger und bewegender Texte. Humorvoll, nahbar und gesellig – Kisch ist jemand, der den Mittelpunkt des Interesses sucht und genießt. Dabei immer an seiner Seite: Eine Tasse Kaffee und die Zigarette im Mundwinkel.

* Im Rahmen des Nannen Preises wird der EGON ERWIN KISCH-PREIS als Preis für die beste Textreportage vergeben.

 

Kisch beginnt kurz nach der Jahrhundertwende als Lokalreporter in Prag. Wenige Jahre später schon ist er aber vor allem Schriftsteller und Chronist seiner Zeit; ein politischer Mensch, beliebt und umstritten. Sein Leben und seine Literatur lassen sich als ein eindrückliches Zeitzeugnis verstehen. Beginnend mit dem Untergang der Donaumonarchie und dem Deutschem Kaiserreich, über die Grausamkeit des Krieges und das Aufbäumen in Revolutionstagen erlebt Kisch Aufstieg und Fall der Weimarer Republik, die Unmenschlichkeit des Dritten Reiches sowie die Flucht ins Exil. Vor diesem Hintergrund war es ihm (nicht nur als Person jüdischer Herkunft) unmöglich, unpolitisch zu sein. Literarisches Schreiben, ob in Reportage- oder Buchform, versteht Kisch im Sinne von Gemeinschaft, er tritt ein für eine lebendige gesellschaftliche Diskussion.

Der Podcast der studentisch erarbeiteten Reihe „Demokratie lernen!?“ ermuntert, Kisch kennenzulernen und sein Werk zu studieren. Fühlen Sie sich inspiriert, sich mit historischer Literatur zu beschäftigen. Weshalb? Zum einen, da Kisch Texte schreibt, die spannend wie ein Kriminalroman sind; sie sind dialektisch, geistreich und witzig. Mit einem feinen Gespür für Sprache werden die Leserinnen und Leser in den Bann gezogen. Ihnen wird Literatur mit Tiefgang geboten, die zum Hinterfragen und zur geistigen Mitarbeit anregt. Zum anderen öffnet die Beschäftigung mit Vergangenem den Horizont in eine andere Zeit und erlaubt, auch im Hier und Jetzt über den Tellerrand zu schauen. Wir empfehlen: Setzen Sie sich mit Literatur auseinander, um mit ihr und durch sie die eigene Weitsicht zu stärken und sie in Ihre Gegenwartsperspektive einzubeziehen.

 

Kommentar des KM-Masterstudierenden Linus Burkel:

„Ich bin das erste mal mit Kisch im Rahmen unseres Moduls in Kontakt gekommen und war verwundert, dass mir der Name komplett unbekannt war, obwohl er als „Erfinder der modernen Reportage“ bezeichnet wird. Nun nachdem ich mich einige Monate mit dem Leben von Kisch beschäftigt habe und mit vielen Experten über ihn sprechen durfte, ist es mir unerklärlich, dass so wenig über ihn und seine Werke berichtet wird. Meiner Meinung nach ist Egon Erwin Kisch eine wichtige Figur in der deutschsprachigen Literatur-/Journalismusgeschichte.“

 

Shownotes zur Podcast-Episode

  • Es sprechen: Finn Bodner und Linus Burkel
  • Autoren und technische Umsetzung: Finn Bodner und Linus Burkel
  • Interviewgäste in dieser Folge: Prof. Dr. Michael Haller (Medienwissenschaftler), Dr. Christoph Kucklick (Leiter der Henri-Nannen-Schule / Hamburger Journalistenschule), Kayhan Özgenc (stellvertretender Chefredakteur Business Insider Deutschland), Dr. Marcus Patka (Jüdisches Museum Wien und Autor von: „Egon Erwin Kisch. Stationen im Leben eines streitbaren Autors.“)

 

Anmerkung des Podcast-Lektorats (Viktoria Heyer und Maja Bahrke):

  1. Zur Namensfindung E.E.K.: Als Schüler unterschreibt Egon Kisch sein Gedicht mit E. Kisch, er will anonym bleiben. Ein Redakteur macht daraus Erwin Kisch. Der Name Egon Erwin Kisch ist geboren.
  2. Anzahl der Arresttage: Sind vermutlich mit Skepsis zu betrachten, da die Angabe auf Kischs autobiographischem Roman „Marktplatz der Sensationen“ (1942) basiert.
  3. Kischs Aufklärung der Redl-Affäre: Ist umstritten, denn seine Aufdeckung kann nicht bewiesen werden. Kisch hat die Causa aber sehr gut für sich genutzt und darüber geschrieben.

 

Literaturempfehlungen

Kisch, Egon Erwin (1922): Soldat im Prager Korps. 1. Aufl. Leipzig und Prag: K.

André.

Die dritte Auflage ist online abrufbar unter: https://www.projekt-gutenberg.org/kisch/prakorps/titlepage.html (zuletzt: 12.04.2022).

Kisch, Egon Erwin (1942): Marktplatz der Sensationen. 1. Aufl. Mexiko-Stadt: El libro libre.

Die zweite Auflage, erschienen im Aufbau-Verlag Berlin, ist online abrufbar unter: https://www.projekt-gutenberg.org/kisch/sensatio/titlepage.html (zuletzt: 12.04.2022).

 

Titelbild: Es zeigt das Café Montmarte in der Prager Altstadt. Kisch war hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts Stammgast.

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